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Robert Schumann, Franz Schubert, Hugo Wolf, Richard Strauss u.a.

Verwandlung - Lieder eines Jahres

Christiane Karg, Burkhard Kehring

Berlin Classics/Edel 0016622BC
(56 Min., 9/2009) 1 CD

"Am Lied reizt mich besonders die Arbeit am Detail, an dem man unendlich feilen kann", bekundet die 1980 im bayerischen Feuchtwangen geborene Sopranistin Christiane Karg im Beiheft ihrer ersten Lieder-CD. Der Hörer weiß vom ersten Augenblick an, dass die Sängerin das tatsächlich ernst meint: Ihr Gestaltungswille, der sich stets an der Textaussage entzündet, erreicht bisweilen fast ein Schwarzkopf'sches Maß – ohne dass dabei freilich jene schwer erträgliche, biedere Strenge durchscheinen würde, mit der die große Vorgängerin ihr Publikum bevormundete. Nein, Christiane Karg formt und feilt ohne Zwang und ohne erhobenen Zeigefinger, aus reiner Lust am Spiel der Töne mit den Worten. Pure Freude an der famosen Vielfalt des Liedrepertoires spricht auch aus der bunten Programmzusammenstellung: Der rote Faden ist ein Gang durch die vier Jahreszeiten, bei dem eine Menge reizvoller Stationen passiert werden. Bekanntes von Schubert, Schumann oder Wolf steht neben selten zu Hörendem von Zemlinsky, Ligeti oder Eisler. Burkhard Kehring begleitet all dies lebendig, umtriebig und nicht weniger farbenreich als die Sängerin (wobei es verwundert, dass sich gerade in Schumanns bekannte "Frühlingsnacht" ein falscher Klavierton eingeschlichen hat).
So könnte diese Lied-CD eine reine Freude sein, wären da nicht einschränkend ein paar stimmliche Aspekte zu benennen: Die Kehrseite des kreativ abwechslungsreichen Stimmeinsatzes ist ein etwas monotones Vibrato, in das Christiane Karg vor allem in höherer Lage immer wieder gern verfällt. Tritt es gemeinsam mit einer etwas zu spitzen Führung der Stimme auf (so etwa in einigen Passagen von Clara Schumanns "Er ist gekommen"), dann wünscht der Hörer sich einen akustisch komfortablen, körperhafteren, wärmeren Klang herbei. Ein anderes kleines Problem sind die hin und wieder auftretenden Intonationstrübungen, häufig sicher dem gestalterischen Eifer geschuldet. Alles keine schlimmen Mängel, die der weitere Reifungsprozess wahrscheinlich beseitigen wird – aber sie manifestieren eben doch jenen deutlichen Unterschied zu den exzeptionell brillanten frühen Dokumenten einer Janet Baker oder eines Dietrich Fischer-Dieskau.

Michael Wersin, 13.03.2010



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