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Françoise Ha Van

Sylvie Guillem – On The Edge

Sylvie Guillem

DG/Universal 073 4544
(88 Min., 2009) 1 DVD

Das Beste in diesem doch sehr speziellen Porträt sind die 30 Bonus-Minuten. Da sieht man nämlich, fast ungeschnitten und in von nur einer Kamera zu rein internen Zwecken aufgezeichneten Proben, Sylvie Guillem, die vielleicht beste, exzentrischste, aber sicher berühmteste Tänzerin der letzten 25 Jahre in einer Auswahl ihrer charakteristischsten Rollen von Petipa bis Forsythe. Atemberaubend ist dieser Körper, toll die Technik, einen sofort anspringend die Bühnenpräsenz, hier gewonnen allein durch die Allüre ihrer Bewegung. Kostbar ist dies, auch weil es von der Komplizierten, immer wieder vor ihrem Ruhm Davonrennenden allzu wenig Aufzeichnungen gibt, dafür aber diverse Film-Hommagen – "On the Edge" ist mindestens die dritte. Für das aktuelle Porträt ist auf dem DVD-Cover zwar die Regisseurin Françoise Ha Van ausgewiesen, als total dominante Autorin ist freilich ziemlich ehrlich die zu Ehrende selbst benannt. Mit Biografischem oder ihrer bisherigen Karriere hält man sich nicht auf, Guillem wird um den Erdball und durch die Jahreszeiten verfolgt, was immer gut ist für poetische Poesiealbumbilder von Vancouver bis Japan. Man sieht sie bei einem Meistertöpfer, durch Venedig bummeln und in Versailles tanzen, aber hauptsächlich geht es um Proben für ein Stück, dass der 45-jährigen Ballerina den Weg in ein neues Bühnendasein ebnen sollte: In "Eonagata", einem Spiel um den geschlechtlich nicht einzuordnenden barocken Kriegshelden Chévalier d’Éon, sind nicht nur mit Akram Khan ihr Mitstreiter der letzten Jahre dabei, sondern auch Idol Robert Lepage. Er muss tanzen, sie sprechen. Beides gelang in der Aufführung nicht besonders, und in den wirren Propenausschnitten teilt sich noch weniger mit. Die Guillem als Madame difficile, schwierig mit sich und anderen, die kommt freilich auch hier gut durch.

Matthias Siehler, 03.04.2010



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