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Sergei Prokofjew

Romeo und Julia

Compagnia Aterballetto, Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Bruno Moretti, Mauro Bigonzetti

Arthaus Musik/Naxos 101399
(104 Min., 10/2006) 1 DVD

Mauro Bigonzetti (50) ist der einzige ernstzunehmende moderne Choreograf Italiens, der zudem noch weltweit als Hausschöpfer der Compagnia Aterballetto aus Reggio Emilia Furore macht. So wurde seine 2006 uraufgeführte Annäherung an "Romeo und Julia" – nicht nur einer der populärsten Weltliteraturstoffe, sondern auch in der Sergei-Prokofjew-Fassung von 1938 eine der berühmtesten Ballettpartituren – in Ludwigshafen aufgezeichnet. Wobei der bewegliche, gern auch von oben schießende Bildregisseur Andreas Morell in seinen Großaufnahmen den Tänzern mit Vorliebe auf die schweißglänzende Pelle rückt. Bigonzetti nähert sich dem Liebespaar aus Verona auf seine Weise – nämlich ohne spezifisches Liebespaar und ohne Verona. Eine Jugendgang, gewaltbereit, kraftvoll, aber auch sensibel und leidenschaftlich, erlebt die Geschichte abstrakt und als moderne Paraphrase, quasi als Rückblende vom Tod der Julia an. Das passt wie angegossen zu Bigonzettis athletisch muskulösem, dabei immer ästhetischem, selten tiefsinnigem Stil. 18 kaum bekleidete Tänzer lieben und leiden, mal in martialische Carbongurte aus der Motorradwelt eingeschnürt, mal den Fuß gefährlich im Schutzhelm balancierend, der den Leichtsinn dieser Heranwachsenden symbolisieren soll. Fabio Plessi hat eine auf die Grundelemente Wasser, Feuer, Luft und Erde verweisende, sparsam wirkungsvolle Ausstattung geschaffen. Und wo Bigonzetti ein wenig modisch leer läuft, da fesselt sofort Prokofjews von Bruno Moretti geschickt gekürzte und so neu fokussierte, fabensatt-brutale Partitur.

Matthias Siehler, 17.04.2010



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