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Jean-Féry Rebel, Antonio Vivaldi

Les éléments, Le quattro stagioni

Akademie für Alte Musik Berlin, Midori Seiler

harmonia mundi HMC 902061
(65 Min., 9/2009)

In der Choreografie von Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola hatten sich die Musiker der Akademie für Alte Musik Berlin 2007 auch szenisch in die barocken Naturgewalten schubsen lassen, die einst von Jean-Féry Rebel und Antonio Vivaldi losgetreten worden waren. Nach dem auf DVD dokumentierten, durchaus poetisch charmanten Klangtheater-Spektakel hat diese vielbeachtete Produktion nun ihren Abschluss im Aufnahmestudio gefunden. Wer aber nun glaubt, dass die Berliner nach der Rebel-Rarität "Les Éléments" die scheinbar bis auf jede Notenfaser ausgereizten "Vier Jahreszeiten" nur nebenbei abspulen, der irrt gewaltig. Drahtig und schneidig, ganz ohne Effekthascherei, wirft sich die von der Violinistin Midori Seiler angeführte Akademie in die Naturschauspiele. Dann wieder zieht man rhythmisch mitreißend und federnd seine Bahnen, um zwischendurch mit schillernden Klangprismen und erfüllenden Momenten zu überraschen. Luftig und geheimnisvoll, vital und delikat kommen diese vier Concerti daher – und plötzlich erübrigen sich alle diskografischen Abgleiche.
Im Fall der lautmalerischen Schöpfungsgeschichte "Les Éléments" vom Franzosen Rebel sieht das schon anders aus. Marc Minkowskis plastische Klanginszenierung von der Entstehung von Feuer und Wasser, von den Vögeln und den Menschen als zweibeinigen Wunderwesen liegt inzwischen fast 20 Jahre zurück. Was die Tempi angeht, ist die Aufnahme der Akademie für Alte Musik Berlin teilweise bis auf die Sekunde deckungsgleich. Aber selbst die heftig schnaufenden und wilden Akkord-Cluster, mit denen Rebel 1737 den Beginn allen Werdens einfing, verteilen sich nun wie auf einer großen Leinwand zu einem spektakulär naturgewaltigen Klanggemälde. Da kann man Gottvater oder wem auch immer nur dafür danken, dass er sich die Mühe gemacht hat, Vivaldi und Rebel solche Steilvorlagen zu liefern.

Guido Fischer, 24.04.2010



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