Franz Schubert, Robert Schumann, Hugo Wolf, Julius Röntgen, Richard Strauss

Sehnsucht

The Gents, Lenneke Ruiten, Thom Janssen, Béni Csillag


Channel Classics/harmonia mundi CCS 30109
(65 Min., 5 u. 6/2009)

Männerchöre, damals wohl vor allem aus Laien bestehend, sollen im 19. Jahrhundert sehr gut gewesen sein: Man hört diesbezüglich nicht nur von einer ausgeprägten bürgertümlichen Kultur, sondern auch von bemerkenswertem Hochleistungsgesang in Arbeiterkreisen. Waren nicht etwa die saarländischen Bergarbeiterchöre, solange nicht die Staublunge wertmindernd einwirkte, eine wahre Zierde? Die unendliche Fülle des allein für den männlichen Teil der singenden Bevölkerung geschaffenen Repertoires erklärt sich aus dieser glücklichen Tradition. Und nicht nur die kleinen und die mittleren Meister, sondern auch die ganz Großen haben gern an dieser Tradition partizipiert: Schubert, Schumann oder Wolf schufen in dieser Sparte klanglich Dankbarstes. Die soeben genannten Großen sind auf dieser CD vertreten, außerdem Richard Strauss und Julius Röntgen. Und den Werken dieser Spitzenkomponisten hoch angemessen ist das Spitzenensemble "The Gents", das Chorgesang vom Allerfeinsten bietet: Kultivierter als auf dieser CD können Männer wohl kaum zusammen singen, und schöner sicher auch nicht. Dennoch haben sie sich eine Dame in ihre Mitte geholt, die nicht nur bei zwei eine Frauenstimme fordernden Werken mitmachen darf, sondern zudem noch drei Sololieder mit Klavier zugeteilt bekommt – was das eigentlich Merkwürdige an diesem Programm ist, denn diese Nummern stehen ein bisschen allein da. Auch ist die junge Sopranistin klanglich ein wenig schmalbrüstig: Im Falle von Schuberts "Ständchen" für Männerchor, Frauenstimme und Klavier denkt man ein wenig sehnsüchtig an Brigitte Fassbaenders Einspielung mit den Herren des BR-Chores. Kurzum: Der Dame haftet in diesem Programm ein gewisses Fremdkörper-Image an, auch wenn Schuberts freilich nicht originale Alternativ-Version von "An Sylvia" für Sopran, Männer und Klavier (sie wurde einst von Goff Richards für die King’s Singers geschaffen) zugegebenermaßen eine Perle ist.

Michael Wersin, 05.06.2010


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Dieser Mann ist ein Phänomen: Nicht erst seit der Film "Pianomania" Einblicke in die verfeinerte, ja zuweilen heikle Klangästhetik Pierre-Laurent Aimards gab, dessen Vorstellungen der hauseigene Klavierstimmer Stefan Knüpfer mit großer Hingabe zu folgen versuchte, ist der Franzose als Perfektionist bekannt. Und auch für seine Einspielung des "Wohltemperierten Klaviers I" von Johann Sebastian Bach dürfte wieder ordentlich am Instrument gefeilt worden sein. Das aber völlig zu recht, muss man zugeben, wenn man die ersten Töne des berühmten C-Dur-Präludiums hört: So fein und singend der Tonkörper des Flügels, so ist zugleich doch immer auch ein deutlicher, "knackiger" Druckpunkt auszumachen, der die Tongebung des Cembalos mit in den Klavierklang hineinnimmt. Dazu kommt Aimards ruhiger Duktus, der die Aufmerksamkeit des Hörers nicht mit virtuosem Schellenklingeln blendet, sondern - detailreich phrasiert - wie an der Hand durch die sauber gestaffelten Stimmverflechtungen und sanglichen Schönheiten dieses Tonarten-Kaleidoskops führt. Einfach bereichernd, dass Aimard - der sich vor allem als Interpret der Werke Messiaens und Boulez' seinen Namen gemacht hat - nun erstmals Bach aufgenommen hat.