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River: The Joni Letters

Herbie Hancock

Verve/Universal 060251744826
(67 Min., 12/2006)

Eine Information für die Wenigen, die es vielleicht nicht wissen: Joni Mitchell hat ein großes Herz für den Jazz. Bester Beleg ist das 1979 veröffentlichte Album "Mingus", auf dem Mitchell die letzten Stücke des an den Rollstuhl gefesselten Bass-Giganten aufnahm. Damals mit von der Partie: Herbie Hancock und Wayne Shorter. Beide bilden jetzt auch das Rückgrat für eine CD, die man gewissermaßen als Antwort auf "Mingus" verstehen kann. Herbie Hancock verbeugt sich vor Joni Mitchell, vor ihren Kompositionen, vor ihren Texten. Dafür lud der Pianist eine ganze Reihe von bekannten Sängerinnen und Sängern ein: Norah Jones, Leonard Cohen, Mitchell selbst und Tina Turner. Letztere dürfte die größte Überraschung sein. Mit wie großen stimmlichen und dynamischen Nuancen die in den 80ern zur (zweifellos erfolgreichen) Klischee-Rockröhre verkommene Turner „Edith and the Kingpin“ gestaltet – das erstaunt schon sehr. Gewiss, Herbie Hancock liebte es in der jüngeren Vergangenheit sehr, auf seinen Platten möglichst viele Berühmtheiten zu versammeln. Doch anders als etwa das all zu gefällige "Possibilities"-Projekt von 2005 überzeugt das Mitchelltribut konzeptuell zu großen Teilen. Auch, weil sich Hancock mit einer tief schürfenden Version von Shorters "Nefertiti" wieder dezidiert zu der Zeit bekennt, als er der wichtigste Jazzpianist des Planeten war. "River: The Joni Letters" ist auf jeden Fall Hancocks bestes Album seit einigen Jahren.

Josef Engels



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