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Robert Schumann

Spanische Liebeslieder

Marlis Petersen, Anke Vondung, Werner Güra, Konrad Jarnot, Christoph Berner, Camillo Radicke

harmonia mundi HMC 902050
(69 Min., 6/2009)

Im Revolutionsjahr 1849, als Richard Wagner und Gottfried Semper in Dresden auf den Barrikaden flammende Reden hielten und sich in Lebensgefahr brachten, erlebte Robert Schumann, teils fern der brodelnden Stadt im ländlichen "Exil", eine Phase besonders inniger Schöpferfreuden. Viele Biografen, vor allem die älteren, haben ihm das unverhohlen als unpassendes und feiges Verhalten vorgeworfen. Mittlerweile urteilt man besonnener: Man konstatiert, dass Schumann aufgrund seiner labilen Gesundheit keinesfalls in der Lage war, aktiv an Kämpfen teilzunehmen, und sieht vielmehr gerade in seiner exzessiven Kompositionstätigkeit die starke persönliche Anteilnahme am Zeitgeschehen.
Heute genießen wir die Solonummern und Ensembles jenes "zweiten Liederfrühlings" zumeist ohne den Blick auf die Entstehungsumstände als ungeheuer schöne und dankbare Konzert- und Hausmusikstücke, im Schnitt deutlich schwieriger auszuführen als vergleichbare Werke Mendelssohns oder anderer Zeitgenossen. Auf der vorliegenden CD bieten einige der führenden Liedsänger unserer Tage eine über weite Strecken vorbildliche Interpretation: Ganz ungetrübt erfreuen wir uns an Werner Güras ebenso feinsinnigem wie aussagekräftigem Tenorgesang. Im Falle von Konrad Jarnot sind wir glücklich, dass er wieder deutlich entspannter und besser im Lot klingt als kürzlich bei seiner "Müllerin". Gerne lauschen wir auch den beiden Damen Marlis Petersen und Anke Vondung, wenngleich sich deren Vibrato gelegentlich ein wenig zuspitzt. Alles in allem eine geschliffene, sehr am Text orientierte und doch gleichzeitig auch klangschöne Darbietung, die im Blick auf das eingespielte Repertoire derzeit sicher allererste Wahl ist.

Michael Wersin, 02.10.2010



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