Responsive image
Diverse

Callas

Maria Callas, Franco Zeffirelli, Tito Gobbi, Michel Glotz u.a.

Tonypalmer/Codaex TPDVD 103
(92 Min., 1987)

Auch wenn Tony Palmers Porträt von Maria Callas bereits 1987 gedreht wurde und schon hier und da den Weg auf DVD gefunden hat, lohnt sich jede Wiederveröffentlichung. Denn Palmer schaffte es dank eines immensen Fundus an alten Interviews sowie Gesprächen mit Callas-Weggefährten, dem Mythos "Callas" irdische Züge zu geben, ohne am Denkmal zu kratzen. Natürlich sind die einzelnen Lebensabschnitte, von dem jugendlichen Pummel Callas über den Liebling der Yellow Press bis zur künstlerisch erschöpften Jahrhundertsängerin, selbst denen halbwegs bekannt und geläufig, die daheim nicht einen Callas-Altar aufgebaut haben. Abseits der ebenfalls ausgebreiteten Skandale, mit denen die Callas für Schlagzeilen sorgte, sind es jedoch enge Freunde wie Regisseur Franco Zeffirelli, die ihren stets heftig durchgeschüttelten Seelenhaushalt und überhaupt ihre Persönlichkeit sortieren können.
Zwischendurch kommt es aber dann doch zu manch küchenpsychologischen Interpretationen. Wenn beispielsweise die extreme Kurzsichtigkeit der Callas zum eigentlichen Auslöser ihrer stimmschauspielerischen Grenzüberschreitungen gedeutet wird. Und wenngleich gerade Tulio Serafin, Luchino Visconti und Ehemann Giovanni Battista Meneghini die Künstlerin und den Menschen Callas geformt haben mögen, möchte man der These nicht so leicht folgen, dass sie ohne diese drei Herrschaften wohl nichts geworden wäre. Die immer wieder eingestreuten Opern- und Konzertaufnahmen aus all ihren Schaffensphasen runden das Leben einer Sängerin ab, an der sich bis heute alle als potentielle Nachfolger gehandelten Sopranistinnen erfolglos abarbeiten.

Guido Fischer, 09.10.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top