Responsive image
Alexander Rosenblatt

Gipsy-Fantasy, Concertino, Paganini-Variationen u.a.

Alexander Rosenblatt, Nikolai Tokarev, Graf Mourja, Mosfilm Studio Orchestra u.a.

Solo Musica/Naxos SM137
(76 Min., 1999, 2000, 2009)

Der Russe Alexander Rosenblatt gehört zu diesen raren Recycling-Komponisten, die selbst aus bereits gut durchpassierten Themen und Melodien tatsächlich noch Saft rauspressen können. Seine Klavier-Variationen über die berühmte 24. Paganini-Caprice treibt Rosenblatt auch als furchtloser Pianist vor sich her – als wilde Mischung aus Prokofjew, Scott Joplin und Oscar Peterson. Und "Waltzing with Hartmann" für Klavier, Elektro-Bass und Orchester entpuppt sich als quirlige bis furiose Jazzfantasie über Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung". Wobei all das mit süffigen und schmissigen Hollywood-Sounds abgesichert wird. Mancher wird zwar angesichts eines solchen stilistisch bunten Gemischtwarenladens die Nase rümpfen (in der "Gipsy Fantasy" wird zudem von einem Geiger Vittorio Montis berühmtem Csárdás Beine gemacht). Doch Rosenblatts Flirts mit Jazz und Folk sind so kurzweilig und treffsicher wie ähnlich geartete Klangidiom-Jonglagen eines Friedrich Gulda oder Nikolai Kapustin.
Mit seinen immerhin schon 55 Jahren würde Rosenblatt aber wohl weiterhin eher ein Geheimtipp bleiben, wenn er nicht in dem Pianisten Nikolai Tokarev einen inzwischen berühmt gewordenen Fürsprecher zum Freund hätte. Und so steht marketingtechnisch nachvollziehbar auch "Tokarev plays Rosenblatt" auf dem CD-Cover. Dabei ist Tokarev gerade mal in drei von den insgesamt sieben Rosenblatt-Werken zu hören. Und die Aufnahmen stammen noch aus einer Zeit, als Tokarevs Ruhmes-Stern erst zu funkeln begann. Aber gerade in dem vierhändigen "Concertino über zwei russische Themen" griff der damals erst 18-Jährige zusammen mit Rosenblatt derart groovend in die Vollen, dass selbst das allseits beliebte "Kalinka" als zirkusreifer Boogie-Woogie über Tische und Bänke gepeitscht wurde.

Guido Fischer, 09.10.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn ein zeitgenössischer Komponist kommerziell erfolgreich ist, wird er oft misstrauisch beäugt. Wenn seine Musik auch noch für Laien interpretierbar ist, umso mehr. Eric Whitacre zum Beispiel: 1980 im amerikanische Nevada geboren, charismatisch, Chor-Guru. Er mobilisiert Massen mit seinen selbstkomponierten Liedern und wird in den USA als Komponist und Dirigent begeistert gefeiert, hat die dortigen Klassik-Charts schon früh erobert. Doch seine Chorsätze sind: einfach gut. Und greifen auf […] mehr »


Top