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Hansjörg Fink, Elmar Lehnen, Henk Meutgeert, Petr Eben, Robert Scherpenisse, Jacques Charpentier

Salve Regina - Klangbilder marianischer Choräle

Hansjörg Fink, Elmar Lehnen

Lahn-Verlag 906 603 76
(73 Min., 2/2010)

Ein Posaunist und ein Organist improvisieren gemeinsam über marianische Antiphonen – eine abseitige Idee? Könnte man meinen; aber da auf dem Feld des liturgischen Orgelspiels die Improvisation einen breiten Raum einnimmt und große Kirchenräume mit klanglich vielfältigen sinfonischen Orgeln den aufgeschlossenen Musiker zum schier grenzenlosen Experimentieren anregen, darf man wohl sagen: Warum nicht?
Die großen marianischen Antiphonen des gregorianischen Choralrepertoires, entstanden irgendwann um 800 in verschiedenen klösterlichen Kulturzentren, zählten innerhalb des abendländischen Kirchenmusikschaffens Jahrhunderte lang zu den beliebtesten "Ausgangsmaterialien" kompositorischer Kreativität. Ihre Melodien wurden seit dem Hochmittelalter wieder und wieder als Cantus firmi in mehrstimmige Kompositionen eingewoben, sei es komplett am Stück, sei es abschnittsweise oder auch nur in Gestalt kurzer Allusionen. Diese Tradition ist bis heute nicht abgerissen, und hier setzen der Posaunist Hansjörg Fink und der Organist Elmar Lehnen an: Sie beschäftigten sich mit den vier marianischen Hauptantiphonen des Kirchenjahres, schufen Werke, die streckenweise offenbar recht genau fixiert sind, streckenweise aber auch Raum für Improvisationen bilden, z. B. mittels liegender Orgelakkorde, zu denen der Posaunist frei über das melodische Material extemporieren kann. Stilistisch sind diese gewissermaßen "offenen" Schöpfungen geprägt einerseits von der reichen Harmonik jüngerer französischer Provenienz, die untrennbar verbunden ist mit den Klangwelten der sinfonisch disponierten französischen Kathedralorgeln – dies scheint die Welt des Organisten Elmar Lehnen zu sein, der hier an der großen Orgel der Marienbasilika zu Kevelaer spielt. Andererseits fließen Elemente aus der amerikanischen Unterhaltungsmusik ein: Synkopische Rhythmen, Glissandi etc. sind wohl Aspekte, die der Bigband-Posaunist Hansjörg Fink beisteuert. Eine interessante, wenn auch ungewöhnliche Mischung. Um die Improvisationen verfolgen zu können, sollte man die zugrundeliegenden Melodien kennen; diese Kenntnis steigert auch die Freude an Lehnens kunstvoll-delikaten harmonischen "Beleuchtungseffekten". Wie gut sich Posaune und Orgel letztendlich klanglich mischen, ist eine Geschmacksfrage, das entscheide jeder Hörer für sich. Wenn’s mal nicht so gut ineinander fließen mag, liegt das allerdings auch daran, dass Fink gelegentlich etwas zu tief intoniert.

Michael Wersin, 16.10.2010



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