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Robert Schumann, Franz Liszt

Fantasie op. 17, h-Moll-Sonate

Lars Vogt

Berlin Classics 0300064BC
(65 Min., 5/2010)

Freunde waren sie nicht wirklich, konnten sie nie werden, dafür war ihre Mentalität doch zu unterschiedlich. Respekt aber, den bezeugten die Komponisten Robert Schumann und Franz Liszt einander in jedem Fall. Wie zum (indes nicht einzigen) Beleg widmete Schumann Letzterem die C-Dur-Fantasie op. 17 – und revanchierte sich Liszt, indem er jenem gut 15 Jahre später sein opus summum für Klavier, die h-Moll-Sonate zueignete. Visionäre Entwürfe der romantischen Literatur dürfen sich beide Werke fraglos nennen; das allein lässt es logisch erscheinen, sie auf einer CD zu vereinigen. Zumal dann, wenn der Interpret Lars Vogt heißt, einer der erwiesenermaßen nachhaltigsten Interpreten dieser Musik. Vogts Spiel hat sich noch einmal verfeinert, das zeigt sich in Fantasie und Sonate gleichermaßen. Die dynamische und semantische Spannweite ist gewachsen, und dem wild Wuchernden seines Spiels fügt sich nun eine mild-melancholische Weisheit (doch nicht des Alters, sondern des Geistes) hinzu, die das Delikate in beiden Werken vollends (und sprichwörtlich) zu ertasten vermag. Aber keine Sorge, die Pranke, die notwendig ist, um der immer wieder sich auftürmenden leidenschaftlichen Angelegenheiten Herr zu werden, vergisst Lars Vogt darüber keineswegs. Vielleicht, dass sie inzwischen gezielter zupackt, noch einen Hauch konzentrierter. Und das ist zugleich vielleicht der einzige Einwand, den zu äußern man geneigt ist bei aller Begeisterung: Das Ekstatische, mehr bei Liszt als bei Schumann, es könnte durchaus eine Spur unkontrollierter sein, will sagen: romantisch entfesselter, temperamentvoller, undeutscher.

Jürgen Otten, 13.11.2010



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