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Johann Sebastian Bach

Kantaten & Arien

Elizabeth Watts, The English Concert, Harry Bicket

harmonia mundi HMU 807550
(65 Min., 1/2010)

Die englische Sopranistin Elizabeth Watts zeigt in Ihrem Bach-Rezital einen ausgeprägten Hang zu den dunklen, schwerblütigen Klagegesängen des Thomaskantors: Mit zwei entsprechenden Arien aus den Kantaten BWV 31 ("Letzte Stunde, brich herein") und 57 ("Ich wünschte mir den Tod") eröffnet sie das Programm, und auch in der nachfolgenden, komplett eingespielten Kantate "Mein Herze schwimmt in Blut" BWV 199 überwiegt der Affekt reuevoller, bußfertiger Melancholie. Dabei blüht Frau Watts mitsamt ihrer Stimme, die sie in der ersten Hälfte des Programms oft allzu verhangen und muffig-textfern einsetzt, bei höher gelegenem und bewegterem Repertoire erst wirklich auf: Die an den Schluss gestellte Jubelkantate "Jauchzet Gott in allen Landen" BWV 51 ist diesbezüglich geradezu eine Überraschung – wie erlöst lässt Frau Watts hier ihrer Stimme freien Lauf, wie sehr scheint sie sich doch erst in der zweigestrichenen Oktave richtig wohlzufühlen. Es genügen ihr nicht einmal die beiden hohen Cs, die Bach ihr von sich aus zubilligt, übermütig verzierend fügt sie in die Reprise des B-Teils noch zwei weitere ein. Dennoch bleibt auch beim Hören dieser Bravournummer ein leichtes Unbehagen. Nicht nur, dass Frau Watts deutliche Sprachprobleme hat: Wie viele vom angelsächsischen Idiom herkommende Sänger geht ihr das Wort "Jauchzet" nicht gut von den Lippen, es klingt kurios nach "Jauchsset". Und aus "Ruhm" wird, nicht minder kurios, "Rum". Hinzu gesellen sich gesangstechnische Unebenheiten. Weil die Sängerin ihre Stimme in der Mittellage – vermutlich zwecks Intensivierung und Verdichtung des Klangs – allzu sehr in die Nasen- und Gaumenresonanzen drückt, kommt sie auch in hoher Lage nicht immer völlig reibungsfrei über die Runden, wie vor allem im Finalsatz von BWV 51 deutlich wird. Dort entgleitet ihr ein in der Koloratur zu erreichendes hohes A so gründlich, dass man sich fragt, warum hier nicht der Tonmeister eingegriffen hat. Fazit: eine schöne Stimme und eine Menge gute interpretatorische Absichten, konterkariert allerdings von einer zumindest für dieses Repertoire falschen Klangvorstellung.

Michael Wersin, 19.02.2011



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