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Bedřich Smetana, Franz Liszt

Klaviertrio g-Moll op. 15, Elegien u.a.

Trio Wanderer

harmonia mundi HMC 902060
(72 Min., 9/2009)

So zärtlich kann sich der Abschied anhören. Mit sanft hingetupften Akkordbrechungen geleitet das Klavier das Cello langsam aus der Welt. Doch bevor dessen Stimme endgültig im Nichts versiegt, bäumt sie sich noch ein letztes Mal auf. Vergeblich jedoch. So dramatisch und gleichzeitig so himmlisch seufzend hat Franz Liszt seine Vorahnungen vom Tode seines Schwiegersohns Richard Wagner in Töne gefasst. Mit seiner Elegie Nr. 3, die in der Originalklavierfassung auch unter dem Titel "Die Trauergondel" bekannt ist. Die Musiker des französischen Trio Wanderer präsentieren jetzt aber nicht nur dieses Stück in der Liszt-Bearbeitung für Violoncello und Klavier. Mit der einst vom dänischen Komponisten Edward Lassen angefertigten und von Liszt überarbeiteten Version von "Vallée d'Obermann" für Klaviertrio eröffnet man ein Album, das ein thematisch etwas anderer Beitrag zum laufenden Liszt-Jahr ist. Denn statt die Geburt Liszts vor 200 Jahren zu feiern, bilden Trauer und Tod die Fundamente der ausgewählten Werke.
Aber im Spiel des Trio Wanderer steckt glücklicherweise so viel Leben, Emphase und mitreißende Suggestivität, dass man sich diesen musikalischen Grabplatten und Farewells hellwach hingeben muss. Was neben vier weiteren Liszt-Stücken für Violine bzw. Violoncello und Klavier auch für Bedřich Smetanas Klaviertrio g-Moll op. 15 gilt. Zwischen Süffigem und Zeichnerisch-Sprödem bewegt man sich in diesem dreisätzigen Werk, das Smetana in Erinnerung an seine verstorbene erste Tochter komponiert hatte. Und wenngleich im Schlusssatz kurz ein düsterer Trauermarsch aufblitzt, hat sich Smetana selbst in den idyllischsten 'Gesängen' eine schmerzlindernde Klangkur verschrieben, die im Trio Wanderer ihre Meister gefunden hat.

Guido Fischer, 02.04.2011



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