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Osvaldo Golijov, Wolfgang Amadeus Mozart

Klarinettenquintette

David Orlowsky, Vogler Quartett

Sony 88697 782392
(62 Min., 7/2010)

Es gibt einen schlagenden Beweis dafür, dass es sich bei Osvaldo Golijovs "the dreams and prayers of issac the blind" um ein echtes Meisterwerk handelt: Obwohl man weiß, dass als zweites Werk auf David Orlowskys neuer CD noch Mozarts Klarinettenquintett kommt, vermisst man es beim Hören von Golijovs für die gleiche Besetzung geschriebenem Werk keinen Augenblick. Denn die von Klezmer und Minimal Music geprägte Musiksprache Golijovs entwickelt eine emotionale und rhythmische Sogkraft, die über die ganze Dauer des Stücks gefangen nimmt. Obwohl der Argentinier für die tonangebende Klarinette die Klezmer-Melodik ohne große Verfremdungen übernimmt, klingen die Visionen des Propheten doch in keinem Augenblick harmlos-folkloristisch, sondern schaffen eine oft geradezu verstörende, verzweifelte Atmosphäre, denen Momente von schlichter Trauer und fast meditativer Versenkung gegenüberstehen. Und es gibt auch einen schlagenden Beweis dafür, dass David Orlowsky und das Vogler Quartett ausgezeichnete Interpreten sind: Obwohl man noch ihren großartigen Golijov im Ohr hat, vermisst man dieses Stück bei ihrer Interpretation des Mozart-Quintettes auch keinen Augenblick. Straff, aber elastisch, vibratoarm, doch mit genug Restwärme im Klang passt der Ton der Voglers erstaunlich gut zum erfrischenden Mozart-Spiel des Klezmerklarinettisten Orlowsky, das mit seiner Kantigkeit bisweilen schon fast wieder an historische Klarinetten erinnert.

Jörg Königsdorf, 30.04.2011



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