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Robert Schumann, Clara Schumann u.a.

The Circle Of Robert Schumann (Violinsonaten und Romanzen)

Gudrun Schaumann, Christoph Hammer

Capriccio/Naxos C 5040
(140 Min., 6/2009) 2 CDs

Schumanns Violinsonaten stammen aus der von Mythen und Gegenmythen getrübten Periode an der Schwelle seines Verdämmerns, und unser Wissen um diese Spätzeit prägt ihre traurige Rezeptionsgeschichte bis heute. Mit einer gewissen Herablassung pinselten nicht wenige Spieler über die aufgewühlten Oberflächen, als ginge es über schlammige Abgründe, in denen sich etwas Unheimliches, Unreines verbergen könnte. Gudrun Schaumann (Violine) und Christoph Hammer (Hammerflügel) legen diesen angeblichen Sumpf ermatteter Inspiration erst einmal trocken. Das Klangbild ist kompromisslos historisch. Spielt man – wie kürzlich Melnikov bei seinem Brahms – ein Werk von 1850 auf einem Bösendorfer von 1875, nähert sich der Ton dem behaglich Vertrauten. Hier aber hören wir einen Streicher-Flügel von 1838, Saitenspannung und damit Klangvolumen sind geringer, romantisches Wühlen kaum möglich.
Doch nicht nur das Klangbild hat sich gewandelt, sondern die Haltung dieser Spätmusik gegenüber. Die pastose Dramatik, mit der sich moderne Aufnahmen über die angeblichen Schwächen der Komposition retten, weicht einer Feinmalerei, die den wühlenden Strom des Kopfsatzes der a-Moll-Sonate mit artikulierendem Widerstand bricht, ohne dem Satz den ihm gebührenden Vorwärtsdrang zu nehmen. Klassische Orte fiebriger Exaltation wie der Eintritt der Reprise werden herabgedämpft. Auch in der zweiten Sonate mit ihrem riesigen Kopfsatz entsteht eine kleinteilige Textur, unerhört transparent und deklamatorisch scharf – schon die rhapsodische Introduktion wird zum Muster einer geradezu neobarocken Klangrede. Dass dieser Stil nicht aus seiner Zeit herausragt wie eine verdorbene Spätfrucht, belegt ihre dramaturgisch geniale Einfassung in ein kompositorisch-privates Spannungsfeld. Und das endet nicht in Clara Schumanns harmlosen Romanzen. Wir werden Zeugen, wie ihr Halbbruder Woldemar Bargiel alle seine Kräfte bündelte, um Schumann in einer gewaltigen f-Moll-Sonate einmal auf Augenhöhe zu treffen (wofür er sich später etwas schämte). Solche Produktionen wirken durchaus fordernd in ihrer klanglichen und intellektuellen Sprödigkeit, aber wenn man die Aufnahme schließlich ins Regal stellt, hat sich das Bild einer immer noch abgeschobenen Werkgruppe für immer vertieft und verändert.

Matthias Kornemann, 18.06.2011



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