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Gustav Mahler

Autopsie eines Genies


Euroarts/Naxos 2058838
(88 Min., 2011)

Der Titel von Andy Sommers Mahler-Porträt suggeriert einen etwas nüchternen Zugriff auf das Leben und Werk des momentan Allgefeierten. Doch ins Chirurgenteam hat sich Sommer Mahler-Spezialisten geholt, die mit ihren Auslassungen und Interpretationen die Nerven- und Blutbahnen in Mahlers Musik aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln freilegen. Pierre Boulez betont das Dynamit, das Mahler an die Tonalität gelegt hat. Claudio Abbado hört aus den Sinfonien Freude und Leid, Liebe und schrecklichen Schmerz heraus. Und Jonathan Nott kommt zum Schluss, dass die Kraft jeder der Sinfonien jeden Hörer verändern wird: "Du lernst dich selbst besser kennen durch diese Musik."
Auf dem längst überbevölkerten Marktplatz der Mahler-Exegese mögen diese und andere Annäherungen (u. a. Thomas Hampson, Daniele Gatti) zwar nicht unbedingt als der Weisheit letzter Schluss gelten. In Andy Sommers unspektakulär aufgemachtem, aber höchst informativem Über- und Einblick in die Welt Mahlers geben diese immer wieder eingestreuten Statements einen repräsentativen Eindruck davon, was Mahlers Musik mit Musikern im 21. Jahrhundert macht. Für die harten Fakten ist dagegen der französische Biograph Henry-Louis de la Grange zuständig, der sich mittlerweile auf über 4.000 Druckseiten mit Mahler beschäftigt hat. Mit ihm reist man dann auch zu allen wichtigen Wirkungsstätten des Komponisten und Dirigenten. Doch niemals hat man dabei das Gefühl, dass man hier eine Pilgerreise gebucht hätte.

Guido Fischer, 16.07.2011



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