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Ludwig van Beethoven, Dmitri Schostakowitsch u.a.

Klavierkonzerte u.a.

Gábor Takács-Nagy, Kammerorchester des Verbier Festival, Martha Argerich, David Guerrier

Idéale Audience/Naxos 3079568
(87 Min., 7/2009 & 7/2010)

Im Verbier Festival Chamber Orchestra sitzen durchweg talentierte, nicht mehr so junge Musiker, die weiterhin gefördert und gefordert werden wollen. Mit dem Ungarn Gábor Takács-Nagy hat man zwar seit 2007 einen soliden, musikalischen Direktor. Doch erst wenn solche Temperamentsbündel wie Martha Argerich mit dabei sind, spielt man nicht mehr nur vom Blatt – man musiziert! So spult das Orchester die Einleitung zu Beethovens 2. Klavierkonzert noch kreuzbrav runter – bis Argerich hineinfährt. Mit aller Entschiedenheit und Energie, aber auch mit einer Subtilität im scheinbar Naiven. Und je mehr Argerich die Zügel in den Händen hält und nebenbei auch für erstaunliche, natürlich nie verkopft wirkende Tiefenschärfe sorgt, umso mehr verwandelt sich das Orchester in einen selbstbewussten Dialogpartner. Mal setzt man auf funkensprühende Klassizität, dann, im langsamen Satz, ist es das Engelsgleiche und zugleich Würdevolle in Argerichs Spiel, das vom Orchester nahtlos aufgegriffen wird. Und nach einem virtuos-pointierten Schlusssatz gab Argerich 2009 beim schweizerischen Verbier-Festival in der Zugabe schon mal einen Vorgeschmack auf das, was 2010 folgen sollte.
Mit irrwitziger Verve meisterte sie (äußerlich vollkommen gelassen) die Scarlatti-Sonate d-Moll, K. 141. Im Live-Mitschnitt von 2010 knüpfte sie an diesen klavieristischen Parforceritt an, wenngleich unter ganz anderen Vorzeichen. Burleske Rasanz, sarkastische Doppelbödigkeit, schauerliche Grimassen – all das sprang in Dmitri Schostakowitschs 1. Klavierkonzert aus Argerichs Flügel. Wobei sie in dem Solo-Trompeter David Guerrier einen wahren Teufelskerl und im Verbier Festival Chamber Orchestra diesmal ein reaktionsschnelles wie handfest zupackendes Team zur Seite hatte. Vielleicht war es der weiterhin allgegenwärtige Geist von Argerich, dass auch das allein vorgetragene Orchesterstück, George Bizets C-Dur-Sinfonie, nicht zum gefälligen Rausschmeißer wurde. Mit leichter Hand, jugendlicher Frische und exquisiter Phrasierungskunst ließ man die Sinfonie makellos aufblühen. Vielleicht hatte daran aber doch auch Gábor Takács-Nagy einen gewissen Anteil.

Guido Fischer, 20.08.2011



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