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Louis-Ferdinand Hérold

Klavierkonzerte Nr. 2, 3 & 4

Jean-Frédéric Neuburger, Warschauer Sinfoniker, Hervé Niquet

mirare/harmonia mundi MIR 127
(61 Min., 5/2010)

Louis-Ferdinand Hérold (1791-1833), geboren in Paris, war ein Zeitgenosse Franz Schuberts. Die beiden sind auch tatsächlich gelegentlich miteinander in Berührung gekommen, ganz direkt vielleicht im Jahre 1815, als Hérold bei einem kurzen Wien-Aufenthalt zur selben Zeit wie Schubert ein Schüler Antonio Salieris war. Über ein Jahrzehnt später komponierte Schubert Klaviervariationen über ein Thema aus Hérolds Oper „Marie“. Hérold hatte sowohl als Komponist wie auch als Klaviervirtuose Erfolg; schon im Alter von 19 Jahren gewann er einen Klavierwettbewerb mit einem eigenen Klavierkonzert. Zwei Jahre später konnte er den renommierten „Prix de Rome“ ergattern, ein Aufenthalt in Neapel folgte. Aus dieser kurzen italienischen Phase seines Lebens stammen zwei der drei hier vorgestellten Klavierkonzerte. Es handelt sich um reife Werke, die die klassische Konzertform effektvoll mit klassischen und frühromantischen Inhalten füllen: Funkelndes Passagenwerk vermittelt einen Eindruck vom pianistischen Können des Verfassers, herzerwärmende Melodienseligkeit repräsentiert das ästhetische Credo Hérolds, wonach allein die Melodie der „Refrain vernünftiger Menschen und des unverdorbenen Teils des Publikums ist“. Hiervon singt besonders ausführlich der Mittelsatz des dritten Konzerts ein Lied: Es handelt sich origineller Weise um ein ungemein lyrisches Andante allein für Klavier rund obligate Violine.
Hervé Niquet, sonst vor allem bekannt für Barockes in historischer Aufführungspraxis, betätigt sich hier erfolgreich als Dirigent dieser frühromantischen Pretiosen: Die Musiker der „Sinfonia Varsovia“ hat er gut im Griff, sie produzieren mit großer Präzision ein sehr homogenes, klares, weich abschattiertes Klangbild, wie es für diese Musik sehr passend scheint. Der erst 25-jährige Pianist Jean-Frédéric Neuburger präsentiert Hérolds virtuose Feuerwerke gekonnt und couragiert mit viel Sinn für die Publikumswirksamkeit und für die charmante Eleganz dieser Musik. Kleine Unebenheiten wie etwa die klappernden Terzenläufe im ersten Satz des A-Dur-Konzerts verzeiht man ihm gern.

Michael Wersin, 10.09.2011



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