Responsive image
Ludwig van Beethoven

Beethoven (Klaviersonaten Nr. 3 und Nr. 21, Andante favori WoO 57, Rondo a capriccio op. 129)

Alice Sara Ott

DG/Universal DG 4779291
(65 Min., 8/2010)

Schnelle Läufe klemmen, Triller kleben – so etwas passiert gelegentlich auch großen Pianisten, wenngleich man solche kleinen Missgeschicke bei einer Studioaufnahme nach Möglichkeit korrigieren würde. Aber bei den großen Beethoven-Pianisten werden kleine Makel, wenn sie denn auftreten, wettgemacht durch ein interpretatorisches Konzept, das bis ins Detail zu verfolgen ist. Etwa beim Kopfsatz der C-Dur-Sonate op. 2 Nr. 3, um gleich mit dem ersten Track anzufangen: Bei Emil Gilels sind die markanten „Terzentriller“ des ersten Themas von Anfang an ein nervös-virtuoser Mikro-Baustein, der direkt in den rasanten Forte-Ausbruch mit den Dreiklangsbrechungen drängt. Ganz anders bei Michelangeli: Er doziert dem Hörer Beethovens Musik, sein gemessenes Tempo geht einher mit streng gezügelter Leidenschaft, Nüchternheit und besonnener Durchformung auch kleinster Motive.
Wenn solche beschreibbaren Ideen sich dem aufmerksamen Hörer einer CD mit Beethoven-Sonaten nicht mitteilen, dann ist das erdrückende Gewicht der vielen, vielen Meisterinterpretationen der hier dargebotenen Stücke einfach zu groß, und es nützt nichts, wenn es so manche reizende Ecke, so manchen idyllischen Moment auf dieser CD gibt. Beethoven ist interpretatorisch massiv vorbelastet, und wenn man ihn technisch nur mit kleinen Macken über die Bühne bringt, dann müsste man ihn im Spielen wenigstens genial vermitteln. Aber das bleibt eben aus bei Alice Sara Ott, und deshalb prangt das berühmte gelbe Label nicht zu Recht auf dieser CD: Man glaubt fast, die Ahnenreihe der großen Pianisten, die diese Marke berühmt gemacht haben, unwillig murren und raunen zu hören.

Michael Wersin, 24.09.2011



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top