Responsive image
Louis Couperin

Pièces de clavecin

Richard Egarr

Harmonia Mundi HMU 907511.14
(300 Min., 4/2009 & 2/2010) 4 CDs

Im Booklet zur Gesamtaufnahme aller 130 Cembalo-Stücke von Louis Couperin stellt Richard Egarr für sich fest: Der Franzose war der größte Cembalo-Komponist aller Zeiten. Solche Superlative müssen selbstverständlich mit Vorsicht genossen werden. Denn was ist mit Frescobaldi und William Byrd, mit Bach, Händel und Rameau? Und keinesfalls übersehen werden darf Couperins Neffe François, dem gleichfalls ein riesiger Miniatur-Kosmos fürs Clavecin zu verdanken ist. Was Louis Couperins kühnen, jedoch nicht auf den großen Effekt setzenden Umgang mit Kontrapunktik und Chromatik angeht, ist sein Erbe zweifellos eines der gewichtigsten Zeugnisse des französischen Barocks.
Obwohl noch weit entfernt von den verschwenderischen Verzierungskünsten und den assoziativ-unterhaltsamen Programmstücken, auf die die nachfolgende Generation abonniert war, will man es dennoch nicht so recht glauben, dass Couperin mit seinen 21 Suiten ausschließlich eine gedankenreiche Klangprozession im Sinn hatte. So genau hat der Engländer Egarr nämlich sein Herzensaufnahmeprojekt angelegt. Eingespielt auf Nachbauten zweier Cembali aus dem frühen 17. Jahrhundert, leuchtet Egarr den melodisch-figurativen Habitus der Sarabandes, Courantes & Co. mit größtmöglicher Transparenz aus. Doch die anfängliche Beredtheit nimmt immer mehr die Züge einer intellektuellen Unterweisung an. Und so ist es eine eher kalkuliert wirkende Rhetorik, die auf Dauer den Genuss an der auch nur zu erahnenden Sinnlichkeit hemmt.

Guido Fischer, 08.10.2011



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top