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Luis de Briceño

El Fenix de Paris – Vokal- und Instrumentalmusik

Vincent Dumestre, Le Poème Harmonique, Claire Lefilliâtre, Isabelle Druet u.a.

Alpha/Note 1 ALP 182
(71 Min., 3/2011)

Wann seine beiden Söhne geboren wurden, weiß man. Und auch das genaue Veröffentlichungsjahr seiner spanischen Gitarrenschule kennt man (1626). Aber weder die genauen Lebensdaten von Luis de Briceño sind überliefert, noch der Grund, warum er sich Anfang des 17. Jahrhunderts in Paris niedergelassen hat. Immerhin gibt es Zeitzeugenberichte, die Briceños Versuch nicht sehr begeistert kommentieren, dass er der federführenden Laute nun mit der Gitarre eine aus einem anderen Holz geschnitzte Rivalin gegenüberstellte. Denn während die Laute gerade in den französischen Airs de cours einfühlsame Noblesse verströmte, galt die Gitarre als ungezügeltes, wildes Volks-Instrument. Und diesem Ruf macht sie auch in den nun eingespielten Liedern und Instrumentalstücken alle Ehre, wenn sie sich etwa in einer „Folia“ mit Kastagnetten verbündet und ihr urwüchsiges Temperament mitreißend zur Schau stellt.
Mit gleich zwei Kollegen an der Barockgitarre kann Vincent Dumestre beweisen, dass er nicht nur als Ensembleleiter von Poème Harmonique eine Ausnahmeerscheinung im Alte Musik-Betrieb ist. Im Mittelpunkt des Briceño-Porträts stehen aber Vokalstücke, deren Melodien damals derart geläufig waren, dass Briceño lediglich die Gitarrenbegleitung notieren musste. Dumestre hat nun diese Lücken über eifriges Quellenstudium schließen können. Und die Mühe hat sich allein deswegen gelohnt, weil einmal mehr die Sopranistin Claire Lefilliâtre mit ihrem einzigartigen, halbschattigen Timbre für loderndes Seelenfeuer in stimmlicher Reinkultur sorgt. Denn das französische Ensemble legt nicht nur Wert auf volkstümlich furiosen, tänzerischen Elan. Briceño besaß gleichermaßen ein feines Händchen für jenes Liebesleid, das keine Standesunterschiede kennt.

Guido Fischer, 12.11.2011



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