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Cheerleaders

Pierrick Pédron

ACT/Edel 1095112ACT
(50 Min., 8/2010)

Das muss man wohl einen klassischen Fall von Ton-Bild-Schere nennen: Der sehr dicke Mann auf dem Cover (ein Kunstwerk von Erwin Wurm) hat nun wirklich so gar nichts mit dem Thema der CD zu tun. Denn auf der ersten Veröffentlichung des französischen Saxofonisten Pierrick Pédron bei dem für seine manchmal eigenwillige Titelbildauswahl bekannten Label ACT dreht sich alles um eine junge Cheerleaderin. Genauer gesagt um ihre bizarren Träume in der Nacht.
Die hat Pédron, der in seiner Heimat mit allen wichtigen Jazzpreisen ausgezeichnet wurde, mit sehr viel Liebe zum Wahnwitz und zum Gniedelrock der 70er Jahre vertont. Mal lässt Sun Ra grüßen wie im Opener „Esox-Lucius“, wo auch ein Frauenchor zu vernehmen ist, mal meint man den Geist von Pink Floyd zu erahnen („Coupe 3“), mal wird Henry Mancini in einen norwegischen Düsterjazzrocker verwandelt („Miss Falk’s Dog“).
Herz und Seele der Aufnahme ist Pédrons aufrichtige, an Cannonball Adderley und Phil Woods geschulte Altsaxofon-Stimme, die vor allem im schlagzeuglosen, balladesken „The Mists Of Time“ wunderbar zum Tragen kommt. Seiner zweiten großen Inspirationsquelle neben dem Jazz setzt Pédron auf „Cheerleaders“ ein besonderes Denkmal: Die Marschkapellen-Musik der bretonischen „Fanfares“ strukturiert die gesamte Aufnahme; jedes Stück endet mit einem charmant verfremdeten Blaskapellen-Outro.
Abgesehen von der Skurrilität offenbart das CD-Cover dann doch noch eine Gemeinsamkeit mit Pédrons Musik – sie ist eine dicke Überraschung.

Josef Engels, 12.11.2011



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