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At The Crossroads

James Carter Organ Trio

Emarcy/Universal 2776885
(74 Min., 2/2011)

Es ist ein uralter Topos der amerikanischen Musikgeschichte: „At the Crossroads“ – an der Weggabelung – überantwortete der Gitarrist Robert Johnson dem Teufel einst seine Seele, auf dass er spielen könne wie kein anderer.
Manchmal kann man sich schon fragen, ob James Carter nicht auch einen solchen Pakt geschlossen hat. Denn der Saxofonist ist dazu in der Lage, Töne auf seinem Instrument zu produzieren, die man nie zuvor gehört hat. Zum Beispiel dieses tief frequente Brummen geradewegs aus der Unterwelt, mit dem er sein Baritonsax-Solo im „Walking Blues“ beginnt. Oder dieses atonale Höllenfeuer-Schreien auf dem Tenor, das in Julius Hemphills „The Hard Blues“ zu vernehmen ist.
Mitmenschen, die um das Seelenheil des Ausnahmesaxofonisten fürchten, können aber beruhigt werden: „At The Crossroads“, mit dem Carter, der Hammond-Dompteur Gerard Gibbs und der Schlagzeuger Leonard King Jr. das zehnjährige Bestehen ihres Orgel-Trios feiern, birgt keineswegs satanische Botschaften. Sondern ist über weite Strecken eine freundliche Blues-Gedenkveranstaltung, die neben deftigen Shuffle-Attacken („Walking The Dog“) und Partyswing („Oh Gee“) auch mal an den Proto-Rock-’n’-Roll der 50er Jahre erinnert (mit Bläsersatzschmiss und der Gesangsröhre Miche Braden).
Spätestens bei den zwei Gospel-Nummern gegen Ende des Albums sollte der Teufel die Vergeblichkeit seiner Bemühungen begriffen haben. An den Soul von Carter, Gibbs und King kommt er nicht heran.

Josef Engels, 28.01.2012



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