Mindestens eine Stimmungskanone sollte stets schon unter den Gästen sein, damit es bei einer Geburtstagsparty richtig hoch her geht. Aber gleich mit solch einer Schar an blendend aufgelegten Goldkehlen hatte wahrscheinlich selbst Gastgeberin Emmanuelle Haïm nicht gerechnet, als sie die Feierlichkeiten anlässlich des 10. Geburtstags ihres Ensembles Le Concert d´Astrée plante. Am 19. Dezember 2011 stieg im Pariser Théâtre des Champs-Elysées eine Barock-Fete, wie man sie in diesem Glanz und mit solch einem Esprit wohl kein zweites Mal mehr erleben wird. Denn zur Huldigung von Dirigentin Haïm und ihren Musikern, die sich in kürzester Zeit in der Belle Etage der Alte Musik-Szene etabliert haben, waren gleich zwei Dutzend ihrer prominenten Sänger-Fans gekommen. Und jeder/jede sorgte mit zumeist nur einem Auftritt für Minuten der Wonne, aber auch für bestes Entertainment.
Programmiert war die Arien-Auswahl, die jetzt als Live-Aufnahme vorliegt, vorrangig auf Alltime-Hits aus dem französischen und englischen Barockfach sowie von Händel. Da bibbert etwa Christopher Purves als Henry Purcells „Cold Genius“. Ann Hallenberg schmiegt sich anmutig an Händels „Lascia ch´io pianga” an. Rolando Villazón lässt furios als „Bajazet“ die Stimmbänder beben. Und Patricia Petibon brilliert als „La Folie“ in der großen Show-Arie „Aux langueurs d´Apollon“ aus Jean-Philippe Rameaus „Platée“.
So toll das alles ist, so gibt es durchaus auch Momente der Wehmut. Denn die Altistin Marijana Mijanovic und Mezzo-Sopranistin Anne Sofie von Otter haben wohl für immer ihren Zenit überschritten. Dafür zeigt ein anderer, warum ihm aktuell und auch in den nächsten Jahren die Barockwelt gehört. Es ist Countertenor Philippe Jaroussky, der bei Händel reinste Tonschönheit aufknospen lässt. Um danach mit Kollege Pascal Bertin und dem gesamten Haïm-Kollektiv aus Purcells „Sound the Trumpet“ eine kesse Latino-Nummer zu machen. Zum krönenden Schluss dieses denkwürdigen Abends konnte es daher nur mit Händel – und zwar für Sänger wie Publikum gemeinsam – lauten: „Hallelujah“!

Guido Fischer, 03.03.2012



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