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Jean-Baptiste Lully

Phaëton, Atys, Armide

Capriccio Barockorchester, Dominik Kiefer

Tudor/Naxos TUD7185
(63 Min., 3/2011)

Offiziell, so ließe sich vermuten, ist Jean-Baptiste Lully diesseits des Rheins erst spät durchgestartet. Genauer: seit der fulminanten Einspielung von Reinhard Goebels Soundtrack zu „Der König tanzt“. Was für ein Irrglaube! Schließlich war man im deutschsprachigen Raum bereits zu Lebzeiten von Bach und Telemann von der musikalischen Strahlkraft des musikalischen Hoflieferanten von Louis XIV. angetan. Erheblichen Anteil daran hatte der niederländische Verleger Estienne Roger, der Orchesterstücke aus Lullys Opern edierte und dafür reißenden Absatz in ganz Mitteleuropa fand.
Die unter dem Titel „Ouverture aves tous les airs“ herausgebrachten Kompilationen machten so Hofkapellen in jeder Größe mit dem französischen Geschmack vertraut. Und wie erlesen, würdevoll und dann wieder Gavotte-gelenkig Lully klingen konnte, wenn gerade mal ein volles Dutzend Musikanten zur Hand war, zeigt jetzt das Capriccio Barockorchester in den Greatest Hits aus Lullys Tragédie en musique „Atys“. Hier wie aber auch in den beiden Suiten aus „Phaëton“ und „Armide“, die 26 bzw. 21 Musiker erfordern, erweist sich das Schweizer Spezialistenensemble für den musikhistorischen Klang-Appeal als vorbildlich. Die lange als allzu schematisch verschriene Musikrhetorik Lullys wird da in einen herrlich duftenden und entspannenden Klanggarten verwandelt, durch den man anhand der Menuette und Chaconnes mal beschwingt, mal mit stolzgeschwellter Brust flaniert.

Guido Fischer, 17.03.2012



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