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Robert Schumann

Streichquartett A-Dur op. 41/3, Klavierquintett Es-Dur op. 44 bzw. Klavierquartett Es-Dur op. 47, Klavierquintett Es-Dur op. 44

Takács Quartet, Marc-André Hamelin, Auryn Quartett, Peter Orth

Hyperion CDA 67631 bzw. Tacet 144
(57 Min., 5/2009 bzw. 2007)

Ein Vergleich zwingt sich förmlich auf. Nicht nur, weil beide Aufnahmen auf die Sekunde genau die gleiche Dauer aufweisen (im Quintett-Ganzen und sogar in den ersten beiden Sätzen); sondern auch weil das Schumann-Jahr hier jeweils Ensembles mit Tastenpartnern zusammengebracht hat, die zur obersten Güteklasse zählen. Wie Takács/Hamelin und Auryn/Orth das Opus 44 angehen, das offeriert dem Hörer in jedem Fall einen hinreißenden, vor Vitalität berstenden Schumann, der 1842, im berühmten Kammermusik-Jahr also, die sinfonisch angelegte Klavierquintett-Gattung so fulminant aus der Taufe hob. Grobe interpretatorische Differenzen der beiden Interpretenpaare sind schon aufgrund jener auffallenden Übereinstimmungen in puncto Tempo(relationen) nicht auszumachen. Das Auryn-Quartett verleiht Schumanns kammermusikalischer Krönung eine Spur mehr Eleganz, inneren Glanz, während die Takacs-Fraktion sich eher dem Zupackend-Theatralischen hingibt. Sehrend-sehnend klingt Andreas Arndts Cello-Legatissimo im Seitenthema der Exposition, während Andras Fejer auf der Takács-Seite hier ein betörend leichtfüßiges Lied anstimmt. Seine Mitstreiter wiederum meißeln die kontrapunktischen Kanten im (von Mendelssohn angeregten) Agitato-Teil des Trauermarsches schärfer, düsterer heraus als die Auryn-Männer, die das apodiktisch Knappe dieses berühmten „In modo d‘una Marcia“ in milderes Licht gießen. Analoges gilt für die auf- und abwärtsjagenden Skalen des Scherzo, in denen Hamélin seinem Ruf als akkuratester Virtuosenkönig alle Ehre macht. Wobei gleich die naheliegende Frage verneint werden muss, ob der kanadische Tastenakrobat seine Streicherkollegen an die Wand spielt – das Gegenteil ist der Fall. Auch Peter Orths „Einbettung“ in den Auryn-Ensembleklang ist geradezu vorbildlich, was im Geschwisterwerk, dem Klavierquartett op. 47, vor allem in der wunderbar empfindsam angegangenen, entrückten Ges-Dur-Passage des Andante besticht. Dass das Takács Quartet in seinen nunmehr 25 gemeinsamen Auftrittsjahren längst ein begnadet homogenes und feinnerviges Ensemble geworden ist, zeigt nicht zuletzt Schumanns A-Dur-Quartett, das hier als Juwel poetisch-sinnlicher Intimität zu erleben ist. Bleibt ein Unterschied: die Hyperion-Aufnahme weist im direkteren Klangbild die größere Plastizität auf gegenüber dem etwas verhüllt-halligen tacet-sound. Aber auch das sollte nicht zu einem Entweder/Oder, sondern zu einem Sowohl/Als auch der beiden vorzüglichen Aufnahmen führen.

Takács & Hamelin: 5 Sterne
Auryn & Orth: 4 Sterne

Christoph Braun, 19.02.2010



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