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Georg Friedrich Händel

Sämtliche italienische Kantaten für Bass

Raimund Nolte, Batzdorfer Hofkapelle

Accent/Note 1 ACC24249
(65 Min., 9/2011)

Während seines ersten Romaufenthalts (1708/1709) führte der genial begabte Anfangszwanziger Georg Friedrich Händel ein aufregendes Leben: Er wurde unter den wohlhabenden Adligen und Kirchenfürsten der Stadt herumgereicht wie ein kleines Wunder und komponierte unaufhörlich ausnehmend schöne Musik für die halbprivaten Akademien in den Palästen der High Society. Besonders beliebt waren italienische Kantaten, vornehmlich in hoher Stimmlage für die prominenten Kastraten der Stadt. Vergleichsweise wenige Kantaten komponierte Händel dagegen für Bassstimme: Insgesamt vier sind überliefert. Diese allerdings haben es in sich: Besonders „Nell‘Africane selve“ fordert einen Sänger mit gewaltigem Stimmumfang und der Fähigkeit, innerhalb dieses Ambitus (vom großen Cis bis zum eingestrichenen A!) zahlreiche große Sprünge (zwei Oktaven plus x) zu meistern. Händel hatte dafür sicher einen bestimmten, entsprechend spezialbegabten Sänger im Auge. Bis heute bringen diese Werke jeden Bassisten in eine Grenzsituation, und die Versuche, „Nell‘Africane selve“ einzuspielen, sind nicht sehr zahlreich und in der Regel von mäßiger Qualität.
Vor diesem Hintergrund schlägt sich Raimund Nolte auf der vorliegenden CD sehr gut: Zwar mangelt es ihm ein wenig an Fülle und Kernigkeit in der Tiefe (da hatte etwa Jérôme Correas unter Emmanuelle Haїm mehr zu bieten), aber seine Höhe spricht gut an. In Grenzen halten sich – verglichen mit anderen Einspielungen – auch die Intonationsprobleme: Sie sind unter diesen Extrembedingungen schwer in den Griff zu bekommen, weil der Sänger ständig zwischen unterschiedlichen Registern seiner Stimme hin- und herspringt und die extremen Spannungsunterschiede der Kehlkopfmuskulatur kaum mit der erforderlichen Flexibilität bereitstellen kann. Dies macht sich besonders in den kritischen Übergangsbereichen der Skala bemerkbar. Kurzum: Raimund Nolte sei für „Nell’Africane selve“ und auch für die kaum weniger kapriziöse Kantate „Cuopre tal volta il cielo“ großes Lob gespendet. Weniger erfreulich ist indes, dass es in der stimmtechnisch ungleich einfacheren Kantate „Dalla guerra amorosa“ ebenfalls zu Intonationstrübungen kommt. Hier dürfte man sich insgesamt eine feinere, nuanciertere, im Ausdruck differenzierte Herangehensweise wünschen. Durchgehend großartig agiert im Übrigen die Batzdorfer Hofkapelle als klangschönes, flexibles und in unterschiedlichen Besetzungen stets homogenes Begleitensemble. In zwei reinen Instrumentalstücken (einem Quartett und einer Triosonate) können sich die Musiker zusätzlich aufs Vortrefflichste profilieren.

Michael Wersin, 07.04.2012



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