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Franz Schubert

Fantasie C-Dur, Rondo h-Moll, Sonate A-Dur

Carolin Widmann, Alexander Lonquich

ECM/Universal 476 4546
(62 Min., 10/2010)

Mit dem Musiktheater hatte Franz Schubert bekanntermaßen keine glückliche Beziehung. Doch bloß weil man auch heute noch keines seiner Singspiele mehr auf offener Opernbühne erlebt, bedeutet das noch lange nicht, dass Schubert kein Gefühl für die große Arie besessen hat. Violinistin Carolin Widmann tritt dafür im kundigen Einklang mit ihrem Klavierpartner Alexander Lonquich den Beweis an – mit dem „Andante“ in Schuberts zweiteiligem Rondo D 895. Mit bittersüßem Lächeln auf den Lippen scheint Widmann diese kleine Opernszene ohne Worte da zu ‚singen´, mit einer ebenmäßigen und naiven Leichtigkeit – die aber den subkutan mitlaufenden Weltschmerzton Schuberts vergeblich einzuwickeln versucht. Ein romantisches Belcanto-Drama in 200 Sekunden!
Dass Widmann dafür nichts auf die Spitze treiben oder ausstellen muss, versteht sich bei dieser stets ins musikalisch Dreidimensionale vordringenden Musikerin fast von selbst. Bei ihrem und Lonquichs Schubert laufen zeitgleich mehrere Geschichten und Zustände ab. Und daher ist jedes noch so geschmeidige und ausgeglichen wirkende Durchatmen zugleich immer auch ein Warnsignal, dass selbst volkstümlich anmutende Spiel-Freude nicht ohne den Schubert´schen Seelen-Blues zu haben sein wird (man höre dazu das „Allegro“ des Rondo). Diese Achterbahnen ziehen sich durch das gesamte Schubert-Recital, von den eigentlich sanftmütig daherkommenden, die Fantasie D 934 eröffnenden Klavierwellen bis zum großen Akkord-„Peng!“, mit dem Lonquich den Finalsatz der A-Dur-Sonate D 574 zuschlägt. Und zwischen diesen beiden Polen geht es nur erregt und fiebrig zu – auch wenn sich eine Aura von zartester Nähe und Vertrautheit entfaltet.

Guido Fischer, 14.04.2012



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