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Dieterich Buxtehude

Membra Jesu nostri (Opera Omnia XVI)

Amsterdam Baroque Choir, Amsterdam Baroque Orchestra, Ton Koopman

Challenge/Sunny Moon CC72255
(55 Min., 6/2011)

Es ist einmal mehr Ton Koopmans eloquentes Continuospiel, das diese Aufnahme maßgeblich prägt: In keiner anderen dem Autor bekannten Version mischt sich die Orgel improvisierender Weise so nachdrücklich z.B. in die „Sonata in tremulo“ ein, die die zweite Kantate der „Membra“ eröffnet. Fast drängt Koopman hier durch seine Aktivität die Bogenvibrato-Effekte der Violinen in den Hintergrund, die doch eigentlich das Besondere dieser Nummer sind; andererseits scheinen die extemporierten Einwürfe mit ihren Dissonanzbildungen vor dem Hintergrund des „Stylus phantasticus“, zu dessen prominenten Vertretern Buxtehude gehört, durchaus sinnvoll. Koopmans bewegliche rechte Hand prägt vor allem auch die kleinen Arien im Innern der sieben Kantaten sowie die jeweils folgenden Streicher-Ritornelle. Ebenfalls sehr kreativ sekundiert ihm dabei der Lautenist Mike Fentross.
Einer sehr elaborierten, detailgenau durchgestalteten instrumentalen Sphäre steht in dieser Einspielung – wie nicht selten bei Koopman – eine etwas durchwachsene vokale Sphäre gegenüber: Dass Koopman den Chor mit vier Sängern pro Stimme besetzt, entspricht dem Quellenbefund (es sind Ripienostimmen überliefert). Aber es wäre ein sprachlich, intonatorisch und klanglich sehr viel homogenerer Chorklang vorstellbar, durch den die Ensemblestellen den Hörer direkter und mit größerer Eindringlichkeit erreichen könnten. Und bei den fünf Solisten, die sich in ihren kurzen ariosen Strophen insgesamt sehr beweglich und verzierungsfreudig präsentieren, gibt es hinsichtlich der rein stimmlichen Reize Licht (Siri Karoline Thornhill!), aber auch eine Menge Schatten. So deckt diese Neueinspielung der Membra ein sehr breites Spektrum von bemerkenswerter Kreativität und Experimentierfreude bis hin zum wenig aufregenden Mittelmaß ab. Damit kann sie sich im mittlerweile sehr reichhaltigen Angebot der Einspielungen leider nicht bis an die Spitze vorarbeiten.

Michael Wersin, 28.04.2012



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