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Leoš Janáček

Chorwerke

Cappella Amsterdam, Daniel Reuss, Radio Blazers Ensemble

harmonia mundi HMC 902097
(71 Min., 11/2010)

Die ersten Stücke dieser CD werden vielen Hörern bekannt vorkommen: Es handelt sich um einige Nummern aus Dvořáks „Klänge aus Mähren“, Duette mit Klavierbegleitung, deren Vokalsatz Leoš Janáček zur vierstimmigen Chorpartie ausgearbeitet hat. Ein schönes Beispiel für die fruchtbare „Zusammenarbeit“ zweier auch privat miteinander sympathisierender Komponisten unter dem Einfluss jener „nationalen Schulen“, die ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer hochkreativen Verschmelzung nationaler, volkstümlicher Idiomatik mit der klassischen Kunstmusik führten.
Wie breit das unter diesem Gesichtspunkt entstandene Chorrepertoire aus der Feder Leoš Janáčeks ist, beweist diese CD: Da ist eine launige Ballade für Tenorsolo, Chor und Klavier über einen alten Rittmeister, der auf der Jagd nach einem Wolf auf den Liebhaber seiner jungen Frau stößt und diesen in flagranti erlegt. Da ist die höchst melancholische „Elegie auf den Tod meiner Tochter Olga“, die Janáček 1903 aus gegebenem Anlass auf den Text einer Freundin des 20-jährigen Mädchens komponierte. Da sind schließlich die 18 rasanten „Kinderreime“ für Chor, Solotenor, Bläserensemble und Klavier – ein Feuerwerk vielfältigster Motive und Klangfarben auf der Basis von Abzählversen, die Janáček verschiedenen Märchen aus dem Böhmischen und Mährischen entnommen hat.
Daniel Reuss und sein Profichor „Cappella Amsterdam“ zelebrieren das ansprechende Repertoire gemeinsam mit diversen „Gästen“ mit der gewohnten Präzision und Liebe zum Detail: Von der volkstümlichen Inspirationsquelle bis zu einer so gediegenen Darbietung spannt sich ein weiter Bogen, und es wird noch einmal mit aller Klarheit deutlich, wie ungeheuer fruchtbar die Allianz von Volksgut und hoher Kunst sein kann – ein beachtenswertes Modell auch für die klassische Musik der Gegenwart?

Michael Wersin, 05.05.2012



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