Responsive image
Thomas Adès, Conlon Nancarrow

In Seven Days, Studies Nos. 6 & 7

Thomas Adès, London Sinfonietta, Nicolas Hodges, Tal Rosner u.a.

Signum Classics/Note 1 SIGCD 277
(43 Min., 3/2011) + Bonus-DVD

Der Engländer Thomas Adès war nie ein Freund von beinharter Neutöner-Kost. Vielmehr reiht er sich mit enormem Erfolg in jene Komponistenriege ein, die sich undogmatisch ihre Klangwelten zusammenbauen. Und so versetzt der schon früh von Simon Rattle protegierte Adès seine opulente Orchestersprache immer wieder mal mit Neo-Barock, Pop und Jazz. Für seine musikalische Schöpfungsgeschichte „In Seven Days“ hat er sich 2008 aber den Reizüberflutungen eines postmodernen Breitwand-Minimalismus bedient, der seit den Zeiten seines amerikanischen Kollegen John Adams schon ziemlich ausgereizt schien. Doch so alttönerisch Adès den klassischen Sieben-Tage-Weg vom Chaos bis zur sonntäglichen Kontemplation auch abschreiten mag – effektvoll ist die Partitur für Klavier und Orchester allemal. Denn Adès erweist sich als Meister der suggestiven Lautmalerei. Ob in dem mit heftigem Drive hochgezogenen „Chaos“ oder im dem Moment, in dem sich ein wildfunkelndes Sternenzelt bildet. Und geradezu klangkulinarisch geht es bei der Geburt von Mensch und Tier zu – mit Strauss´scher Süffigkeit, Vogelgesängen à la Olivier Messiaen sowie einer rhythmischen Sogkraft, die in ihrem Raffinement der eines Philip Glass turmhoch überlegen ist.
So sehr „In Seven Days“ in der jetzt vom Komponisten dirigierten Ersteinspielung ihre Wirkung nicht verfehlt, so ist aber der eigentliche Star dieser auch für DVD-Player geeigneten Veröffentlichung der Video-Künstler Tal Rosner. Die Musik von „Seven Days“ hat Rosner in eine geometrische wie gleichermaßen abstrakt-assoziative Bildsprache übersetzt, die an den großen Bauhaus-Filmer László Moholy-Nagy erinnert. Und warum Rosner im Gegensatz zu Adès eher ein Freund der klassischen Moderne ist, unterstreicht er in den beiden Zugaben. Es sind Visualisierungen von zwei herrlich bizarren Piano-Studies des Amerikaners Conlon Nancarrow, die Adès für Solo-Klavier arrangiert hat.

Guido Fischer, 26.05.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top