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Aventureiro

Jürgen Attig

Columbia/Sony 88691944642
(51 Min.)

Am Schluss hört man ihn dämonisch lachen, den Geist, der diese Aufnahme beseelt. Die Rede ist von Jaco Pastorius, jenem mythisch verklärten Über-Bassisten, der 1987 viel zu früh verstarb. Dass sich seine Witwe Ingrid bereit erklärte, diesen Soundschnipsel aus dem Nachlass ihres Mannes zur Verfügung zu stellen, sagt einiges über „Aventureiro“ aus.
Mit seinem ersten Solo-Album setzt der deutsche Bassist Jürgen Attig dem Verblichenen nicht nur ein aufwendig produziertes und vielschichtig modelliertes Denkmal, sondern macht sich mit der Unterstützung ehemaliger Pastorius-Weggefährten auch Gedanken darüber, wohin es das Vorbild außerdem noch hätte verschlagen können. Attigs Vermutungen: nach Rio. Afrika. Oder zum Blues.
Wie es sich für eine Hommage gehört, gibt es auf „Aventureiro“ natürlich viele Stücke, die sich zweifellos stark an der musikalischen Welt des Verehrten orientieren: „High Jock“ und vor allem „Cactus Pie“ erinnern in ihrem elastischen Swing, dem Einsatz von Steel Drum und energischen Bläsern klar an die „Word of Mouth“-Phase Pastorius’, wohingegen der vocoderschwangere „White Viper Waltz“ an Joe Zawinul und Weather Report gemahnen.
Spannend wird es immer dann, wenn Attig sich in weltmusikalischen Ecken bewegt, mit denen man Pastorius nicht zwangsläufig assoziiert. Das von Ronaldo Nascimento gesungene Titelstück mit seinem brasilianischen Karnevals-Vibe ist dafür ein prächtiges Beispiel.
Und auch als Solist zeigt Attig, dass er es nicht nötig hat, Jaco nachzuahmen. Sowohl auf dem Fretless- als auch auf dem 7saitigen Bundbass erweist sich der Hildesheimer als eigenständige Größe, den man hinfort gerne öfters aus seiner Rolle als viel gefragter Pop-Sideman ausbrechen hören möchte.

Josef Engels, 26.05.2012



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