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Dieterich Buxtehude

Opera omnia XV – Triosonaten op. 2 (Kammermusik III)

Catherine Manson, Paolo Pandolfo, Ton Koopman, Mike Fentross

Challenge/Sunny Moon CC72254
(73 Min., 12/2010 & 10/2011)

Mit einer spritzigen, eloquenten und klanglich ebenso reizvollen wie abwechslungsreichen Einspielung der sieben Triosonaten op. 2 schließt Ton Koopman die Kammermusik-Sparte seiner Buxtehude-Gesamteinspielung ab. Die Triosonaten sind – ebenso wie die anderen überlieferten Kammermusikwerke Buxtehudes und auch seine freien Orgelwerke – typische Elaborate des norddeutschen „Stylus phantasticus“, einer recht freien, u.a. durch die Reihung ganz heterogener Formteile gekennzeichneten Art des Komponierens. Instrumentalrezitativische Abschnitte markieren mit ihrer starken Expressivität die Nähe dieses Stils zur Sprache. Variationszyklen über gleichbleibender Basslinie zeugen von der Herkunft dieser Musik aus der Improvisation, und die Musikwissenschaft spekuliert darüber, ob es nicht auch in niedergeschriebenen Werken dieser Art Stellen gibt, an denen vielleicht mehrere Musiker miteinander improvisiert haben.
Dies innerhalb der durchgängig notierten Diskantpartien (Violine und Gambe) zu versuchen, wurde bisher freilich nur selten gewagt; aber Ton Koopman, der den Continuopart nach barocker Praxis ohnehin frei zu improvisieren hat, ist hier natürlich in seinem Element. Gut ist seine Idee, nicht immer nur das Cembalo, sondern gelegentlich auch die Truhenorgel zu benutzen. Zudem holte er sich streckenweise den Lautenisten Mike Fentross zur Seite, mit dessen Unterstützung der Continuopart bei Bedarf noch satter tönt, ohne dabei jemals dicklich oder gar unflexibel zu klingen. Catherine Manson (Violine) und Paolo Pandolfo (Gambe) sind zwei erfahrene Musiker, die sich im „Stylus phantasticus“ nicht weniger zuhause fühlen wie Koopman: Sie bringen Buxtehudes Kantilenen wirkungsvoll zum Erblühen und akzentuieren dabei gleichzeitig stets den rhetorischen Duktus dieser Musik. Sämtliche Mitglieder des kleinen Ensembles kommunizieren permanent aufs Lebhafteste miteinander, und das Ergebnis ihres Diskurses breitet dem Hörer durchweg Freude.

Michael Wersin, 02.06.2012



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