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Luigi Boccherini

Sechs Quartette op. 26

Arthur Schoonderwoerd, Emilio Moreno, Antonio Clares, Mercedes Ruiz

Glossa/Note 1 GCD 920312
(71 Min., 1/2011)

Von dem Augsburger Instrumentenbauer Johann Andreas Stein soll es noch zwei Exemplare eines sonderlichen Tastenmöbels geben, das auf den schönen Namen „Vis-à-vis“ hört: Ein Cembalo und ein Pianoforte teilen sich da einen Korpus! Und wie äußerst charmant dieses Zwitterwesen klingt, haben Andreas Staier und Christine Schornsheim vor einigen Jahren mit vierhändigen Mozart-Werken unter Beweis gestellt. Einen Eindruck von dem harmonischen Miteinander, von dem Perlen-Glitzern eines Cembalos hier und der Artikulationsvielfalt sowie dynamischen Palette eines Fortepianos dort gibt aber nun auch Arthur Schoonderwoerd. Dabei sitzt er lediglich an einem klassischen Pianoforte, das aus der Wertstatt von Wilhelm Jurgenson stammt und ein Nachbau eines Stein-Fortepianos von 1783 ist. Und obwohl Johann Andreas Stein auch damit die pianistischen Gestaltungsmöglichkeiten und Klangfarben revolutionieren sollte, besitzt dieses Pianoforte eine allgegenwärtig galante Cembalo-Klangseele, die perfekt zu den sechs Streichquartetten op. 26 von Luigi Boccherini passt.
Bei der Einspielung dieses 1778 komponierten Zyklus handelt es sich aber nicht um die Fassung für zwei Tasteninstrumente, die es von einem anonymen Boccherini-Zeitgenossen auch gibt. Der Italiener und Wahl-Spanier Boccherini hatte höchstselbst die Streichquartette für Cembalo bzw. Pianoforte, Violine, Bratsche und Cello eingerichtet. Diese Versionen hat Arthur Schoonderwoerd mit seinen drei Mitstreitern vom Real Cámara-Quartett aufgenommen. Und wenngleich die zweisätzigen „Quartettini“ das vielseitig Rhetorische von Boccherinis späteren Quartett-Zyklen opp. 32 & 58 fehlt, ist es doch das reine Vergnügen, wie die vier Musiker auf ihren historischen Instrumenten die Leichtigkeit des Rokokos in vollen Zügen ausbreiten und genießen.

Guido Fischer, 18.08.2012



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