Christoph Graupner

Chalumeaux: Concertos, Ouvertures & Sonatas

Ars Antiqua Austria, Gunar Letzbor


Challenge/Codaex CC 72539
(75 Min., 11/2011) SACD

Wenn sein Dienstherr es zugelassen hätte, dann wäre Christoph Graupner (1683 - 1760) und nicht der große Johann Sebastian Bach Thomaskantor geworden. Heute dagegen ist Graupner stark unterbewertet. Das zu ändern ist nicht leicht, denn mit seinem ausgesprochenen Interesse an Klangfarben sowie seiner Vorliebe für das Ausstellen elementarer Motive scheint Graupner bisweilen einer ganz eigenen Grammatik zu folgen. Beachtet man dies nicht, wirkt seine Musik schnell unzusammenhängend und fade. Bei Gunar Letzbor und seiner wunderbar klar, sonor und mitreißend federnd aufspielenden Ars Antiqua Austria ist das Gegenteil der Fall: Sehr präzise heben sie jene oft unscheinbaren Details hervor, die einem Satz Würze, Zusammenhang und oft auch trockenen Witz verleihen.
Im Wechsel mit zwei experimentellen Sonaten für obligates Cembalo und Violine (GWV 709 und 711) sind drei ebenso experimentelle Orchesterwerke zu hören. Es handelt sich dabei um ein Konzert und zwei Ouvertürensuiten (GWV 303, GWV 449 und 452), in denen Graupner eine Gruppe von Chalumeaux solistisch einsetzt. Und wie der Komponist, so befindet sich auch das Chalumeau (ein früher Verwandter der Klarinette) noch in der Wiederentdeckungsphase: Wurde bisher fast nur die zarte, fast weinerliche Seite seines Klanges betont, so lassen die Chalumeaux, die Ars Antiqua Austria für diese Einspielungen rekonstruieren ließ, darüber hinaus auch robustere, „klarinettigere“ Effekte zu. Und so kann Graupner dem Thomaskantor nicht nur mit bangen Liebesseufzern über herzschlagartig pochenden Pizzicati, sondern auch wieder mit rasanten Jagdmusiken und frechen Kuckucksrufen Konkurrenz machen.

Carsten Niemann, 01.09.2012


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Wunderkinder sind in der Klassischen Musik ein häufiges Phänomen, im Jazz dagegen scheint ein gewisses Mindest-Alter die Eintrittskarte in die obere Liga zu sein. Eindrucksvolle Ausnahme: Eldar Djangirov. Der 1987 in Kirgisistan Geborene kletterte schon als kleiner Knips auf den Klavierhocker, spielte Aufnahmen nach Gehör nach und entwickelte bald eine Vorliebe für Musiker wie Oscar Peterson und Bill Evans. „Entdeckt“ wurde er im Alter von neun Jahren, als er bei einem Jazzfestival in Nowosibirsk auftrat. Es folgten ein Studium in Amerika, Radio-Aufnahmen und Siege bei renommierten Jazzpiano-Wettbewerben. Und wer seine bei Sony erschienene Debüt-CD „Eldar“ von 2005 in die Anlage schiebt, wird erst einmal weggepustet von einem […] mehr »