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Biosphere

Florian Weber

Enja/Soulfood ENJ9586
(55 Min., 12/2011)

Mit 35 Jahren ist der Pianist Florian Weber auf Augenhöhe mit den internationalen Größen des Jazz. Sein Trio Minsarah ist die Working Band des legendären Saxofonisten Lee Konitz, mit der dieser ein bejubeltes Livealbum im New Yorker Village Vanguard, dem hohen Tempel des Modern Jazz, einspielte. Nun ist dem Deutschen jenseits von Minsarah ein kleines Meisterwerk geglückt. Mit Biosphere hat er etwas geschaffen, was zum Paradigma einer intellektuellen Bauchmusik werden könnte. Im Booklet ist nachzulesen, dass dabei drei Dinge Ziel der Bemühungen waren: Neben dem Klavier sollte das Fender Rhodes zum Einsatz kommen, nord- und westafrikanische Rhythmen sollten integriert werden und mathematische Konstruktionsprinzipien, auch aus der Fugenlehre, sollten eine Rolle spielen. Mit Lionel Loueke, dem ursprünglich aus Benin stammenden neuen Star an der Jazzgitarre, und den höchst versierten New Yorkern Thomas Morgan und Dan Weiss an Kontrabass und Schlagzeug waren dafür die besten Voraussetzungen gegeben. Man kennt punktuell ähnliche Ansätze aus dem Frühwerk eines Wolfgang Dauner oder Siggi Kessler, wo über repetitive, vertrackt groovende Patterns im Bass immer neue, einfach wirkende Motive in verschiebender Schichtung gelegt werden und so ein äußerst magisches, komplexes Geflecht entsteht. Weber und seine Mitstreiter spielen ein souveränes Spiel der Ver- und Entflechtung. Über fünf Originals und fünf Neudeutungen fremden Materials reißt dabei die Spannung nicht ab. Diese immer auch anmutige Musik geht mit Macht in den Bauch, mit Wärme zu Herzen, und hört doch nie auf, den Verstand zu erfreuen.

Thomas Fitterling, 29.09.2012



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