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Just Here, Just Now

Nils Wülker

Ear Treat/Edel 0208130ETM
(51 Min., 3/2012)

„Just Here, Just Now“: Der Albumtitel klingt wie eine präzise Kurzbeschreibung des Wesenskerns der improvisierten Musik. Ironischerweise hat sich der Trompeter Nils Wülker mit seiner inzwischen siebten Einspielung unter eigenem Namen allerdings noch ein Stückchen weiter von den Standard-Situationen des Jazz entfernt.
So gibt es jetzt keine Saxofonstimme mehr in seinen Kompositionen. Die Rolle, die Altist Jan von Klewitz jahrelang innehatte, wurde von Gitarrist Arne Jansen übernommen. Was zur Folge hat, dass Wülkers Musik vom Soundgewand her noch mehr in Richtung Pop tendiert, vor allem dann, wenn Jansen in Stücken wie „Goodbye Sorrow“ oder „September Skies“ die akustische Lagerfeuer-Gitarre hervorholt.
Diese Entwicklung ist nur zu konsequent. Während andere Jazzer bekannte Pop-Nummern zur Reichweitenverbesserung interpretieren, schreibt sich Wülker die Hits lieber selbst. Die Grundlagen mögen variieren – mal ist es ein schleppender TripHop-Beat wie im Titelstück „Just Here, Just Now“, mal ein reduzierter Triolen-Swing wie in „Itchy Feet“, mal ein Hauch Americana wie in „High and Rising“. Alle Wülker-Kompositionen haben aber eine unverkennbare Gemeinsamkeit. Und die liegt in ihrer ungemeinen Kantabilität.
Wülker singt gewissermaßen durch seine Trompete. Das tut er auch, wenn er soliert ‒ klar, pointiert und jederzeit nachvollziehbar. Ihm gelingt mit seiner adäquat reduziert und aufmerksam agierenden Band (neben Gitarrist Jansen Lars Duppler an Klavier und Hammond, Edward Maclean am Kontrabass und Benny Greb am Schlagzeug) genau das, was sich viele Instrumentalkollegen wünschen: dem Zuhörer auf unaufdringliche Art im Hier und Jetzt zu begegnen.

Josef Engels, 20.10.2012



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