Responsive image
John Cage, Richard Cornell, Christian Wolff u.a.

siXXes (Six Melodies, Reis Glories Variations u.a.)

Hille Perl, Lee Santana, Sirius Viols

dhm/Sony 88725 468022
(75 Min., 6/2009)

Im Rahmen der diesjährigen Feierlichkeiten von John Cages 100. Geburtstag wollten auch Hille Perl und Lee Santana ihren Beitrag leisten, obwohl man beide bisher eher aus gemeinsamen Alte Musik-Projekten kennt. Doch das mit „siXXes“ betitelte Album ist mehr als nur eine Verbeugung vor Cage. Mit Werken von Cage-Schülern wie Christian Wolff, aber auch musikalischen Reverenzen an die amerikanische Gamben-Virtuosin Martha Bishop lässt man historische und aktuelle Musik zusammenrücken. Zudem schwingt etwas vom Geist jener Hippie-Zeit mit, aus der sich Lautenist Santana wohl seine lange Mähne bewahrt hat. Santana hat Texte der kalifornischen Beatnik-Dichterin Diane di Prima vertont, die die indische Göttin und gnadenreiche Mutter Kali besungen hatte. Glücklicherweise verzichtete Santana bei dem sechsteiligen Liederzyklus „Kali-Ma“ für Stimme, Blockflöten und Streicher auf klangmeditatives Gewölk, dennoch bewegen sich die Songs mit ihrer archaischen und in sich gekehrten Aura gefährlich nah am Kitsch.
Dafür versöhnen gleich zu Beginn des Programms die „Six Melodies“ von Cage, ursprünglich für Violine und Klavier geschrieben, im Arrangement für Gambe und Laute. Es ist eine Feier der Konzentration und der minimalistischen Klangaskese, die fast das Profil von Troubadour-Liedern ohne Worte besitzt. Überhaupt löst der mächtige und zugleich innige Klang der Gambe Erinnerungen an die Musik vergangener Jahrhunderte aus, ob in den Solo-Variationen von Richard Cornell (Jg. 1946), oder im „Solo For One Instrument“ von Wolff. Erst wenn die heute 75-jährige Martha Bishop in ihren „Duos“ für zwei Gamben gar eine Gigue neo-barock recycelt, drängt sich die Frage auf, warum man sich nicht lieber die Originale von Marin Marais & Co. zu Gemüte führen sollte.

Guido Fischer, 27.10.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Kürzer werden die Nächte nicht als in diesen Tagen, wenn der Sommer bis in die späten Abendstunden sein mildes Licht verströmt. Als Arnold Schönberg 1899 sein Streichsextett „Verklärte Nacht“ niederschrieb, war der Sommer schon fortgeschritten, aber Schönberg mit seinen 26 Jahren noch jung und überraschend romantisch. Er komponierte das Werk im österreichischen Payerbach, wo er mit seinem Mentor und Freund Alexander Zemlinsky und dessen Schwester Mathilde – seiner zukünftigen […] mehr »


Top