Responsive image
György Kurtág, György Ligeti

Signes, Games and Messages, Sonata

Kim Kashkashian

ECM/Universal 476 4729
(55 Min., 5/2011)

György Kurtág und György Ligeti waren fast gleichaltrig, und bis zu Ligetis Tod 2006 verband sie eine rund 60-jährige Freundschaft. Doch während Ligeti bereits Mitte der 1950er Jahre das kommunistische Ungarn verließ und im Westen schnell zum prominenten Gegenpol zur seriellen Bewegung um Stockhausen und Boulez aufstieg, konnte Kurtág erst mit reichlicher Verspätung in den mitteleuropäischen Neue Musik-Zirkeln Fuß fassen. Kurtágs Präsenz zudem auf Tonträger ist aber vor allem mit dem Münchner Label ECM eng verbunden. Über viele Jahre hat man hier mit dem Keller Quartett, der Violinistin Carolin Widmann und vor allem mit der Bratscherin Kim Kashkashian eine Klangsprache dokumentiert, die selbst in ihrer radikalen Reduktion ein ungemein aufwühlendes Potenzial besitzt.
Aus Kurtágs 1989 begonnenem Zyklus-in-Progress „Signes, Games and Messages“ hat Kashkashian nun 19 Miniaturen ausgewählt und ihnen Ligetis Viola-Sonate von 1994 zur Seite gestellt. Dass auch ihre sechs Sätze musikalische Gedenktafeln für verstorbene Kollegen und Ehrerbietungen für Interpreten sind, drückt schon die erste Nähe zu Kurtág aus, der ebenfalls viele seiner Stücke Weggefährten und Vorbildern gewidmet hat. Doch Kashkashian schafft es gerade mit ihren spieltechnisch grenzenlos scheinenden Möglichkeiten, den von ihrer Anlage her unterschiedlichen Werken eine gemeinsame Vertrautheit einzuhauchen. Kurtágs figurativem, fast fetzenartig wirkendem Gestikulieren stehen zwar Ligetis ausformulierte Verdichtungen und Experimente gegenüber, dennoch besitzen auch sie dieses Stockende, Abgründige und damit Zweifelnde wie die konzentrierten Signale und Botschaften Kurtágs. Dass man von ihnen gepackt wird und ihnen bis in ihre letzte Faser und Notenpore gebannt zuhört, liegt aber nicht nur an Kashkashian, die allein das Ende des ersten Satzes der Ligeti-Sonate mit einer Pianissimo-Kultur de Luxe gestaltet. Die nicht abreißende Spannung und Unmittelbarkeit dieser Klangwelten verdankt sich gleichermaßen den Aufnahmetechnikern.

Guido Fischer, 08.12.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top