Robert King ist wieder da. Und sein kaum verwechselbarer Sound ebenfalls: Weich und samtig klingen Chor und Orchester, voll im Klang und doch differenziert, absolut homogen. King widmet sich auf dieser CD der geistlichen Musik von Charles Villiers Stanford und Hubert Parry mit exakt derselben Kompetenz und Souveränität wie einstmals auch der barocken Musik. Eine wundervolle CD – und doch können wir uns nicht einfach nur darüber freuen: Robert King verschwand 2007 urplötzlich von der Bildfläche, weil er des Kindesmissbrauchs bezichtigt wurde. Er hinterließ ein ratloses Ensemble, bestehend aus Musikern, die ihrem Chef nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich eng verbunden waren. King wurde tatsächlich verurteilt und ging ins Gefängnis, sein früherer Adlatus führte Chor und Orchester weiter – mit mäßigem Erfolg. Dann kam King zurück und begann erneut zu arbeiten. Und siehe da: Die Besetzungslisten weisen eine Menge Musiker aus, die auch vor seinem Fall mit ihm gearbeitet haben; recht bekannte Namen sind darunter, und auch die Solobesetzung dieser Produktion spricht ja für sich. King veröffentlicht nun beim eigenen Label. Er hat, soviel der Autor weiß, seine Taten vor Gericht nicht zugegeben und sich vor Wiederaufnahme seiner Arbeit auch nicht öffentlich erklärt.
All das sollte man wohl wissen, wenn man zu dieser CD greift. Die musikalischen Leistungen darauf sind nicht nur tadellos, sondern schlichtweg großartig und mitreißend. King bewegt sich mit schlafwandlerischer Sicherheit in einer Tradition englischer Kathedralmusik. Er war als Kind selbst Knabenchorsänger in Cambridge, und es ist evident, dass er seine klanglich-interpretatorischen Visionen schon früh beim eigenen Tun entwickelt haben muss. Ein bedeutender Musiker, daran kann kein Zweifel bestehen.

Michael Wersin, 16.03.2013



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