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Vogelperspektive Vol. 4

Intensivstation

Boomslang/Amazon
(59 Min.)

Es ist eine ziemlich bemerkenswerte CD-Reihe, die der österreichische Schlagzeuger Alfred Vogel 2011 begonnen hat. Unter der Überschrift „Vogelperspektive“ dokumentiert sie das Zusammentreffen des Schlagwerkers mit einer Reihe unterschiedlicher Künstler in seinem Studio in Vorarlberg. Und nicht nur, weil eines der Stücke den Titel „Herz“ trägt, scheint es sich bei dem vierten Teil um so etwas wie das Herzstück des Projekts zu handeln. Vogels Zusammenspiel mit dem Multiinstrumentalisten John Schröder und dem E-Bassisten Wolfgang Zwiauer wirkt jedenfalls genauso eindringlich und konzentriert, wie es der Bandname „Intensivstation“ insinuiert.
„Bitches Brew“ ist in puncto Spielhaltung und Sound die unverkennbare Inspirationsquelle der Aufnahme; ein Eindruck, der durch die Hinzunahme des Trompeters Herbert Walser bei einem Stück verstärkt wird. Aber nicht nur dadurch, dass Walser in „Ich muss gleich mal weg“ mit seinen Delay-Selbstgesprächen so völlig anders klingt als Miles Davis (und das will in diesem Kontext etwas heißen), unterscheidet sich die Einspielung in einem wichtigen Punkt ganz klar von dem legendären Jazzrock-Parforce-Ritt. War „Bitches Brew“ ein Meisterstück der Schnittkunst, ist dies hier ein hitziges Vabanquespiel in Echtzeit.
Was vor allem an John Schröder liegt. Der Berliner spielt auf „Vogelperspektive Vol. 4“ Fender Rhodes, Gitarre und Schlagzeug. Und das zum Teil gleichzeitig! Eine eigentlich irre Idee, die jedoch bestens funktioniert. In Kombination mit Zwiauers umtriebig-pulsierenden Basslinien und Vogels unorthodoxem, von Raschel- und Schellengeräuschen durchzogenem Schlagzeugspiel entsteht hier eine spannende und gewitzte Musik, die die beständige Aufmerksamkeit des Zuhörers erfordert: Herz, Hirn und Ohren bekommen eine Intensivbehandlung, die klingt wie aus den 70ern, aber ganz im Hier und Jetzt der Improvisations-Gegenwart verankert ist.

Josef Engels, 30.03.2013



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