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Firminus Caron

Messen & Chansons

The Sound and The Fury

Fra bernardo/Note 1 FB 1207302
(190 Min., 5 & 9/2011)

Fünf Messen und eine paar Handvoll Chansons – das ist alles, was von einem vermutlich nordfranzösischen Komponisten namens Firminus Caron übriggeblieben ist, der irgendwann in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gelebt hat. Einen großen Teil dieses Repertoires für die CD produziert zu haben, ist nun das Verdienst des Ensembles „The Sound and The Fury“. Festgehalten wurden die etwa 190 Minuten Musik offenbar bei Live-Aufführungen des Repertoires.
Grundsätzlich ist diese Initiative sehr zu begrüßen, denn es gab von Caron bisher beinahe nichts auf Tonträgern. Auch darf man sich darüber freuen, dass einige sehr routinierte Profis des Ensemblegesangs – z.B. John Potter und Michael Mantaj – zur Besetzung gehören. Wie sich die von Countertenor David Erler geführte Gruppe besetzungstechnisch indes genau definieren lässt, wird nicht ganz klar: So entspricht etwa das auf einem Foto im Beiheft abgebildete Personal nicht ganz dem auf der Box aufgelisteten, und im Internet findet man so viele unterschiedliche Zusammensetzungen von „The Sound and The Fury“, dass man daraus wohl leicht drei Ensembles machen könnte.
Vielleicht ist diese gewisse Instabilität der Gruppierung ein Grund dafür, dass sich die Interpretationen nicht auf allerhöchstem Niveau bewegen. Oft dauert es eine Weile, bis die empfindlichen Harmonien, die das polyphone Stimmgeflecht in der Vertikale bildet, wirklich einrasten; Intonationstrübungen begegnen einem allenthalben, ebenso wollen die Stimmen in puncto Timbre nicht immer ganz zusammenpassen. Wohlgemerkt: Die fundierte Erfahrenheit jedes einzelnen der Sänger mit Ensemblemusik der Renaissance ist durchaus nicht zu überhören – nur kommt eben kein ganz reibungsfreies Miteinander zustande. Den editorischen Wert der CD schmälert dies kaum, schließlich bekommt der interessierte Hörer hier erstmals die Musik eines Meisters zu hören, der in Sachen kompositorische Reife den bekannteren Größen jener Zeit (z. B. Guillaume Dufay) in nichts nachsteht.

Michael Wersin, 20.04.2013



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