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Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Alessandro Marcello, Benedetto Marcello

Konzert-Transkriptionen

Sophie Yates

Chaconne/Note 1 CHAN 0796
(76 Min., 8/2012)

Johann Sebastian Bach hat sich die seinerzeit hochmoderne Gattung „Concerto“ während seiner Jahre als Hofmusiker in Weimar (1713/14) erarbeitet. Angeregt wurde er dazu u.a. durch seinen adligen Schüler Herzog Johann Ernst, der sich Partituren aktueller italienischer Concerti von Vivaldi und anderen aus Amsterdam bestellte und der auch gern konzertante Werke auf dem Cembalo spielte. Sein Lehrer fertigte dementsprechend Orgel- und Cembalo-Transkriptionen italienischer Concerti (im Original oft für Violine und Orchester), wohl um seinen begeisterten Schüler mit Material zu versorgen und sich selbst in die Machart der neuen Gattung zu vertiefen. Bach begann in jener Zeit auch, selbst Concerti zu komponieren, und wie kreativ er mit dieser Form umging, ist dann u.a. an den „Brandenburgischen“ zu bewundern. Überliefert sind aber auch eine Menge von Transkriptionen aus seiner Feder; sie wurden lange recht stiefmütterlich behandelt, denn sie sind ja substantiell nicht „original Bach“. Mittlerweile haben Musikwissenschaftler jedoch herausgefunden, wie geschickt Bach beim Transkribieren vorging, und einige Musiker haben das spielfreudige Repertoire ebenfalls für sich entdeckt.
Die englische Cembalistin Sophie Yates legt auf dieser CD ihre ebenso technisch vollendete wie klangverliebte Interpretation der Vivaldi- und Marcello-Bearbeitungen vor. Sie spielt auf der Kopie eines Goujon-Instruments (Paris 1748) von Andrew Garlick. Der Hörer dieser Aufnahme taucht ganz in den Cembalo-Klang ein und erlebt ihn als füllig und gleichzeitig obertonreich, klanglich differenziert im Spiel der verschiedenen Register und Registerkombinationen, insgesamt deutlich ansprechender und ästhetisch befriedigender als noch auf Cembalo-CDs von vor zehn oder zwanzig Jahren. Womöglich hängt das auch damit zusammen, dass der Cembaloklang heute direkter und vorteilhafter eingefangen werden kann; freilich bleibt beim Hören immer das Gefühl, man haben den Kopf direkt unter dem Deckel des Instruments – im Konzert würde man das so nie erleben, aber reizvoll ist es dennoch allemal.

Michael Wersin, 22.06.2013



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