Responsive image

All Or Nothing At All

Alexander Stewart

Herzog Records/Edel 1001035 HER
(42 Min.)

Im Gegensatz zu anderen Feldern der improvisierten Musik war der Jazzgesang immer fest in weiblicher Hand. Offenbar gibt es jetzt aber auch hier Emanzipationsbestrebungen: 2013 erblickt eine ganze Reihe höchst unterschiedlicher Alben neuer männlicher Jazz-Vokalisten das Licht des Plattenmarkts.
Verglichen mit José James, Gregory Porter und Anthony Strong mag der 26-jährige Alexander Stewart aus Manchester der jüngste in dieser Riege sein. Lustigerweise klingt er aber am ältesten. Was daran liegt, dass Stewart in Arrangementdingen konsequent jegliche Modernismen meidet und seine geschmeidige Mel-Tormé-Stimme – ähnlich wie sein Landsmann Strong – von einer Mini-Big-Band im Septettformat begleiten lässt. Natürlich: Ähnlichkeiten mit dem derzeit sehr beliebten Swing-Grossisten Michael Bublé lassen sich da nicht ganz vermeiden.
Mit seiner originellen Stückauswahl gelingt es dem jungen Briten allerdings, sich von der Konkurrenz abzusetzen. 80er-Jahre-Hymnen von „Blondie“ oder „The Smiths“ stehen da wie ganz selbstverständlich neben Ellington („Jump For Joy“) oder Cole Porter („Easy To Love“), ein Dance-Hit des neuen Jahrtausends (Sam Sparros „Black and Gold“) prostet sich fröhlich mit einem Schlager aus den 70ern zu (Paul Simons „50 Ways To Leave Your Lover“).
Stewart, der es in puncto Phrasierung, Charme und Fabulierkunst mit seinen Mitbewerbern locker aufnehmen kann, erfindet gewiss das Rad nicht neu. Aber er bringt es so elegant zum Kreisen, dass man bei seiner Nostalgietour gerne einsteigt.

Josef Engels, 06.07.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top