Responsive image
Marc-Antoine Charpentier, Henri du Mont, Louis Couperin, Gaspard le Roux

Cantica Nativitatis 1676

Ensemble …in Ore mel…, Olivier Vernet

Ligia/Klassik Center LID020215204
(60 Min.)

Ob das Ensemble „…in Ore mel…“ seinen Namen wohl aus der Offenbarung des Johannes entliehen hat? Das würde uns wundern: Johannes wird im zehnten Kapitel von einem Engel aufgefordert, ein Büchlein zu nehmen und zu verschlingen, das in seinem Mund wie Honig (in der Vulgata: „in ore…mel“) schmecken, in seinem Bauch aber Bitterkeit verursachen wird.
Von solchen Nebenwirkungen blieben wir beim Hören der CD weitgehend verschont: Die großartigen Sänger (vor allem die Sopranistinnen Catherine Greuillet und Noémi Rime) lassen sich Charpentiers Kantilenen tatsächlich wie Honig im Mund zergehen; allenfalls im Instrumentalbereich, beim Zusammenspiel von Continuo und Blockflöten, gibt es ein paar Intonationsschwächen. Die fallen allerdings nur bedingt ins Gewicht, denn Marc-Antoine Charpentiers Musik zum Advents- und Weihnachtsfestkreis präsentiert sich mit der gewohnten klangvollen Süße, die der französischen Barockmusik jener Zeit allgemein zu eigen ist: galante Melodik, zumeist einfache, aber effektvolle Harmonik, reizvolle Verzierungen. Mit Instrumentalmusik u.a. von Henri du Mont wird das Programm sinnvoll und historisch korrekt ergänzt. Ein launiger Beihefttext – leider nur in französischer und englischer Sprache – lässt den Hörer, der mit dem Autor in einer Zeitmaschine ins 17. Jahrhundert reist, hautnah ins Geschehen am französischen Königshof eintauchen, wo die musikalischen Genies der Zeit miteinander interagieren und sich um repräsentative Aufführungen ihrer Musik bemühen.

Michael Wersin, 13.07.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top