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Benjamin Britten

Cello Symphony, Cello-Suiten, Cello-Sonate u.a.

Alban Gerhardt, Steven Osborne, BBC Scottish Symphony Orchestra, Andrew Manze

Hyperion/New Arts International CDA67941/2
(119 Min., 12/2011, 3/2012) 2 CDs

Der vor genau hundert Jahren geborene Instrumentalkomponist Benjamin Britten stand zu seinen Lebzeiten stets im engen Kontakt mit den bedeutendsten Solisten. Dazu zählten Pianist Svjatoslav Richter, Gitarrist Julian Bream (der am 15. Juli seinen Achtzigsten feiern durfte!) und vor allem Cellist Mstislav Rostropowitsch. 1960 war man sich erstmals auf Initiative des gemeinsamen Freundes Dmitri Schostakowitsch in London begegnet. Kurz darauf entstand mit der Cello-Sonate op. 65 das erste von insgesamt fünf Meisterwerken für „Slava“. Und warum Britten ein großer Bewunderer von Schostakowitsch war, wird gerade im Finalsatz und dank des kraftvoll maschinenhaften sowie doppelbödig verschmitzten Zusammenspiels von Alban Gerhardt und Pianist Steven Osborne überdeutlich.
Doch auch bei der Cello Symphony (1963) und in den drei Solo-Suiten (1964, 1967, 1971) beschwört Gerhardt immer wieder ungemein eindringlich, spannungsgeladen und mit atemreichem Melos den Geist von Brittens russischem Kollegen. Geradezu beängstigend wirken da gleich zu Beginn des konzertanten Dramas Gerhardts dunkle Schraffuren. Und das von Andrew Manze geleitete BBC Scottish Symphony Orchestra weiß dabei das fortan unter Hochdruck stehende Werk auch mit einer bewundernswert aufwandarmen Intensität zu stabilisieren. Vollends zu einem diskografischen Glücksfall im Britten-Jahr 2013 gerät schließlich Alban Gerhardts Spiel in den drei Solo-Suiten, die bei ihm nur von ganz weiter Ferne eine Klangbrücke zu Bach schlagen. Denn alles, was Gerhardt in diesem riesigen Kaleidoskop von Stimmungen und Spieltechniken mit unverstellt elektrisierendem Ausdruck freilegt, wird nun zum Spiegelbild eines auch von Zweifeln, Ängsten und Hoffnungen getriebenen Künstlers im 20. Jahrhundert.

Guido Fischer, 20.07.2013



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