Responsive image
Hans Zender

33 Veränderungen über 33 Veränderungen

Hans Zender, Ensemble Modern

Ensemble Modern Medien EM020
(59 Min., 8/2012)

Als Dirigent hat Hans Zender ausreichend Erfahrung auch im Umgang mit dem klassischen Kernrepertoire. Doch da er von Hause aus Komponist ist, verwandelt er sich immer wieder gerne vom dirigierenden in einen komponierenden Interpreten. Und nicht zuletzt mit seiner orchestralen Übersetzung von Schuberts „Winterreise“, die Zender 1993 für das Frankfurter Ensemble Modern geschrieben hat, war ihm eine zeitgemäß eindringliche Neubelichtung geglückt. Knapp zwanzig Jahre später durfte Zender jetzt auf Einladung des Ensembles nachschöpferisch auf Tuchfühlung mit Beethovens „Diabelli-Variationen“ gehen. Nun hatte Beethoven das kreuzbrave Walzer-Thema in seinen 33 Veränderungen auch nicht gerade handzahm ins Visier genommen, sondern mit zum Teil gehörigem Biss und doppelbödigem Humor. Und genau davon hat sich Zender für seine „33 Veränderungen über 33 Veränderungen“ besonders infizieren lassen.
Gleich die 1. Variation (Alla marcia maestoso) wird herrlich verschroben samt Glockengeläut dekonstruiert. Die Nr. 2 darf mit Akkordeon und Perkussion Fahrt aufnehmen, als hätte man sich in Mussorgskis „Tuilerien“ aus den „Bildern einer Ausstellung“ verirrt. Und während die 3. Variation sich in einem Streichquartettsatz pudelwohl zeigt, macht man danach eine kleine Stippvisite beim Neo-Klassizisten Strawinski und später dann sogar in einem schrillen Jazzclub (Nr. 16). Jede Variation ist ein Überraschungscoup. Zumal Zender mit List und Spaß oftmals auch jenen Faden quer durch die Kunst- und Gebrauchsmusik weitergesponnen zu haben scheint, den Kollege Mauricio Kagel der Nachwelt hinterlassen hat. Nach diesen Diabelli-Variationen wird man das Original garantiert mit ganz anderen, neuen Ohren hören.

Guido Fischer, 27.07.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top