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Amsterdam

Trio Elf

Enja/Soulfood ENJ9602
(79 Min., 2/2013)

Als sich das Trio Elf im Jahr 2003 gründete, war der zwischen Club-Ekstase und Improvisations-Noblesse vermittelnde NuJazz schon lange kein neues Ding mehr. Doch bei Pianist Walter Lang, Bassist Sven Faller und Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer scheint es so etwas wie die Gnade des späten Einstiegs zu geben. Nicht nur, dass es das mit der vermeintlich gestrigen Drum-and-Bass-Ästhetik flirtende Trio immer noch gibt – es ist mittlerweile besser denn je, wie die Live-Aufnahme aus dem Amsterdamer Bimhuis zeigt.
Die Stärke der Musik liegt an der speziellen Temperament-Geometrie innerhalb dieses gleichberechtigten Musiker-Dreiecks: Während Pianist Lang mit seinem feinsinnigen melodiösen Spiel irgendwo zwischen Bill Evans („No Goodbye“) und Bach („Why? Because!“) agiert und auch Bassist Faller immer wieder Sinn fürs Hymnische zeigt („Evet“), erweist sich Schlagwerker Faller als genialisch hyperaktiver Pathos-Zerstörer mit großer Dancefloor-Affinität. Wenn dieses ungleiche Dreiergespann gemeinsam Fahrt aufnimmt, gibt es kein Halten mehr. Beste Beispiele für diese Achterbahnfahrt zwischen Lyrik und Discoschweiß sind das House-Stück „Hammer Baby Hammer“ oder das rockige „Sounds In My Garden“.
Was diese Live-Aufnahme so besonders macht, ist das vierte Trio-Mitglied: Die Echtzeit-Soundmanipulationen des Toningenieurs Mario Sütel wirken wie ein eigenes Instrument. Sein Einsatz von Filtern und Loops sorgt immer wieder für Überraschungen. Mal wird der Pianist von seinem eigenen Solo rechts überholt, mal legt sich ein Verfremdungseffekt wie das böse Grollen eines wilden Tieres über den Klang des Jazz-Piano-Trios. Nicht ohne Grund bekommt Sütel mit dem monströsen Nachhall, den er aufs Schlagzeug legt, das Recht des vorletzten Wortes beim Konzert. Das letzte hat das zu Recht lange applaudierende Publikum.

Josef Engels, 21.09.2013



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