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Lennox Berkeley, Mario Castelnuovo-Tedesco, Federico Mompou, Alexandre Tansman u.a.

The Andrés Segovia Archive

Ermanno Brignolo

Brilliant Classics/Edel 1094272BR1
(475 Min., 2011 - 2013) 7 CDs

Als Andrés Segovia mit seiner Gitarre zu einer Jahrhundertkarriere aufbrach, war es um das klassische Repertoire für den Sechssaiter nicht bestens bestellt. So musste Segovia auch zugleich Pionierarbeit leisten und arrangierte sich von einer Scarlatti-Sonate über eine Händel-Sarabande bis hin zu Schumanns „Album für die Jugend“ quer durch die Musikliteratur. Zugleich brachte er zeitgenössische Komponisten dazu, ihm etwas für die Gitarre zu schreiben. Darunter fanden sich immerhin solche namhaften Segovia-Fans wie der Italiener Mario Castelnuovo-Tedesco und der Pole Alexandre Tansman. Doch ihre Werke sind nur die Spitze eines riesigen Bergs von Kompositionen, die für den Spanier entstanden sind. Und ein durchaus nicht kleiner Teil davon war der Öffentlichkeit bislang unbekannt. Denn viele der jetzt von dem Italiener Ermanno Brignolo weltersteingespielten Stücke wurden erst gar nicht gedruckt, sondern verschwanden schnell wieder im Archiv Segovias. Der Musikwissenschaftler und Komponist Angelo Gilardino hat nun diesen Wust an Manuskripten durchstöbert, sortiert und Brignolo zugänglich gemacht.
Die erstmals in einer Box gebündelten Piècen, Suiten und Sonaten spiegeln Segovias umfangreiches, internationales Komponistennetz wider. Den Löwenanteil nehmen zwar traditionsgemäß die Spanier ein. Darüber hinaus begegnet man Franzosen und Belgiern wie Raymond Petit und Henri Martelli, den Italienern Vito Frazzi und Ida Presti sowie dem Schweizer Hans Haug und dem polnischen Wahlamerikaner Ignace Strasfogel. Viele von ihnen wurden noch Ende des 19. Jahrhunderts geboren und repräsentierten eine Klangsprache, die eher auf eingängigen Charme und volksmusikalischen Duft ausgerichtet war als auf Experimente. Und obwohl musikalische Überraschungen somit kaum zu erwarten sind, lohnt sich die Beschäftigung mit diesem Segovia-Nachlass schon deshalb, weil Ermanno Brignolo mit viel Herz und Fingerspitzengefühl diese leichtgewichtige Schatztruhe geöffnet hat.

Guido Fischer, 21.09.2013



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