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Wagner

Wagner: A Genius In Exile (Die Schweizer Jahre)

Antoine Wagner-Pasquier, Andy Sommer

BelAir/harmonia mundi BAC 096
(54 Min., 2013) + 79 Min. Bonusmaterial

Eva Wagner-Pasquiers Sohn Antoine Amadeus, immerhin 31 und biografisch als Filmemacher und Videokünstler mit Wohnsitz in New York und Paris geführt, hat bisher nur mit seiner 5000-Euro-Abfindung für eine nicht realisierte Bayreuther Operninszenierung zum Liszt-Jahr von sich Reden gemacht. Jetzt wird er, der sympathisch-offene Bartträger, freilich zum Wagner-Jahr der Öffentlichkeit in einer neuen DVD über Wagners Schweizer Jahre prominent präsentiert. Allerdings ist „Wagner: Die Schweizer Jahre“ nicht von dem Wagner-Spross selbst. Der fährt nur nach einem Drehbuch und einer Idee des Schweizer TV-Routiniers Andy Sommer durch die pittoresk und touristisch ansprechend gefilmte helvetische Berg- und Seenwelt, die doch seinen Ur-Ur-Großvater so mächtig beeindruckt hat – für zehn Jahre nach seiner Flucht 1849 aus Dresden, wo ihn der sächsische König nach seinen revolutionären Barrikadenstürmereien per Steckbrief hatte suchen lassen, und wo er nicht nur die Ehe des Ehepaars Wesendonck gefährdete. Und dann noch einmal von 1866 bis 1871 mit Cosima auf der ehebrecherischen Flucht aus München, wofür ihm König Ludwig II. Haus Triebschen bei Luzern fürs Konkubinat mietete.
Das alles und noch viel mehr besucht nun also Antoine Wagner-Pasquier als Hippie vom Hügel, meist auf einem schweren Motorrad dahinbrausend in Easy-Rider-Manier als dokumentarischem Walkürenritt. Dabei stoppt er bei diversen Experten, stellt sich dumm und lässt sich und uns manch Wagnerwissenswertes über den dort konzipierten und erstmals vorgelesenen „Ring“, „Tristan“, „Meistersinger“ und die Wesendonck-Lieder von den renommierten Scholaren erzählen: von seiner Verwandten Dagny Beidler, von den Musikologen Eva Rieger und Laurenz Lütteken, vom Schweizer Dirigenten Philippe Jordan, aber auch nett menschelnd von einem Zürcher Antiquar. Und ein wenig Werbung für Antoine Wagner-Pasquiers kommendes Wagner-Foto-Buch kann natürlich auch nicht schaden.

Matthias Siehler, 12.10.2013



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